Mittwoch, 11. Juli 2018

"Die Apfelernte ist für dieses Jahr auch schon erledigt!"


Das sagte heute Morgen der Mann vom Maschinenring, nachdem er mit mehreren Mitarbeitern ‚unseren‘ alten Apfelbaum weggeräumt hatte. 



Meine Affinität zu Bäumen hatte leider nicht verhindert, dass ich überhaupt nicht kapiert habe, dass die Super-Ernte, die dranhing, viel zu schwer für den Baum war. Da er durch eine Verletzung durch eine nahe neben ihm stattfindende Baumaßnahme vor unserer Zeit leider auch einen Hohlraum hatte, der von einem Pilz befallen war, war die Stabilität auch nicht mehr gesichert, und vor einer Woche ist er, während ich auf der Terrasse saß und entspannen wollte, in sich zusammengebrochen. 




Ich trauere richtig, weil es ein wirklich lecker schmeckender Apfel war, und jetzt keine Zeit ist, in der man einen Ableger schneiden und dann pfropfen könnte. So einen leckeren Boskop wird man heute nicht noch einmal bekommen.

Ganz zu schweigen davon, dass unser Garten jetzt sehr kahl wirkt - die Vögel fliegen völlig verstört umher, weil auch die Büsche angeknackst waren und zurückgeschnitten werden mussten - und der Blick aus dem Gemeindegarten wieder völlig ungehindert in den Garten fallen kann. Die Gemeindemitglieder werden das toll finden, uns gefällt es deutlich weniger, wenn jeder beobachten kann, was wir im Garten machen.

Die Wochen des sogenannten Asylstreits aus bayerischer Quelle waren für mich furchtbar, ich traue dem Frieden auch noch nicht, und frage mich, was das Ganze sollte. Das Ergebnis der ‚Einigung‘ war meines Erachtens das ganze Gebrülle nicht wert, der Effekt für die Destabilisierung der Demokratie verheerend und meine Angst vor der Landtagswahl hier im Oktober wächst weiter. Zwar gab es einige wichtige Berichte in der Zeitung, die zeigen, dass zumindest Reporter noch hin und wieder den Mut haben, eine andere Meinung zu haben und zu vertreten.

Hier endlich in der Überschrift die Notwendigkeit angesprochen: lasst die
Geduldeten eine Ausbildung machen! Warum die ARbeitgeberverbände da nicht
schon viel länger und viel schärfer hinterher sind, ist mir ein Rätsel.


Hier wird explizit ein Bereich genannt, in dem ich einen Senegalesen hätte
eine Ausbildung vermitteln können: Heizungsbau. Und natürlich die Pflege-
berufe, die meine Klasse letztes Jahr betreffen - und dieses Jahr haben die
Afghanen auch Probleme. Dasselbe Spielchen wie letztes Jahr, und ich komme
mir wirklich ziemlich vera..... vor.

Aber insgesamt wird es immer unerfreulicher. Es ist nicht das erste Mal, dass in Deutschland eine undemokratische Partei versucht, mit demokratischen Mitteln an die Macht zu kommen, aber dass eine angeblich demokratische Partei ihr dabei solcherlei Vorlagen bietet, das ist doch völlig unglaublich. Und ich frage mich, was diese Alpha-Tierchen umtreibt, dass sie sich so aufführen, die Brüll-Trampel aus dem deutschen Südosten, gegenüber der Bundeskanzlerin, und den anderen Regierungen Europas - einfach unglaublich…
Dann diese Höhlengeschichte in Thailand - die Medienaufmerksamkeit für zwölf Jungen. Deren Rettung mir natürlich auch am Herzen lag - welche Mutter eines Sohnes könnte bei so einer Geschichte unberührt bleiben? Aber die Diskrepanz zwischen der Anteilnahme an dieser Rettung aus der Höhle und der Feindseligkeit, mit der den privat finanzierten Seenotrettungsbooten auf dem Mittelmeer begegnet wird, hat mich verstört. Aus der Seele gesprochen hat mir da dieser Kommentar von Herrn Drobinski in der Süddeutschen Zeitung gestern.

Das sind so die Dinge, die mich ‚nebenbei‘ beschäftigen, wenn ich nicht mit Nadel und Faden zugange bin. Denn ich habe den Quilt, der beim Künstlersymposium entstand, auch endlich beendet.

#UDHR - text messages 18. (Das Grüne im Hintergrund gehört nicht dazu,
ist nur, weil ich keine andere Möglichkeit hatte, aufzuhängen.

 Ich wollte, dass er an der Wand präsentiert werden kann, wenn ich nächste Woche den Preis bekomme…

Samstag, 7. Juli 2018

Tour de Fleece


Voriges Jahr habe ich von meiner Freundin Maike zum ersten Mal von der „Tour de Fleece“ gehört und mich anschließend darüber auf Ravelry informiert.
Man meldet sich für ein Team an - oder bildet ein eigenes Team mit anderen. Während der gesamten Tour de France spinnt man jeden Tag, postet Fortschritte auf der Seite und ermittelt am Ende das Gesamtergebnis. Das eigene Ergebnis trägt zum Teamergebnis bei.

Als ich davon hörte, war die Tour schon in vollem Gange und ich habe mich nicht mehr eingeklinkt, weil das ja bei der echten Tour de France auch nicht geht. Ich fahre erst los, wenn die Alpenpässe vorbei sind… wie cool ist das denn! 
Dieses Jahr habe ich aber rechtzeitig dran gedacht, mich beim Team Rookie (die Anfänger, die zum ersten Mal dabei sind) angemeldet. Und heute geht es los.

Ich strebe keine exorbitante Meisterleistung an. Aber ein kleines bisschen jeden Tag sollte schon drin sein, und ich habe mir auch überlegt, was ich machen will.
Ich bin momentan sowieso an einem Spinnprojekt, das schon begonnen hat, bevor ich noch die weiße Patentjacke fertig gestrickt hatte. Im Mai hatte ich auf der Nadelwelt bei dem holländischen Stand, Adrian, der ungesponnene Wolle zum Filzen und Spinnen verkauft, 400g wunderbar weiche graue Merinowolle gekauft. Die will ich dreifädig verspinnen, allerdings gezwirnt mit der dunkleren grauen, die ich schon länger in meinem Vorrat habe. 

Hellgrau sieht jetzt nur noch so wenig aus, weil die Hälfte des Vorrats schon
abgewickelt wurde - aber das dunklere Grau ist in tatsächlich in rauhen Mengen
vorhanden.

Geplant habe ich ein dreifädiges Garn, zwei aus dem hellen Grau, einen aus dem dunklen.
Deshalb werde ich heute anfangen, den dritten Faden zu spinnen, die leere Spule steht bereit. Die beiden ersten Fäden sind bei weitem noch nicht fertig, aber ich habe gewogen, wieviel Gramm auf jeder Spule sind - nur für den Fall der Fälle, dass die dritte Spule in diesen drei Wochen tatsächlich voll wird. Was vermutlich nicht passieren wird, aber sicher ist sicher.

Die 77g-Spule soll auch noch die bei ihr liegende ungesponnene Menge auf-
nehmen, und der Rest des Kammzugs wird dann noch gleichmäßig auf diese
beiden Spulen verteilt. Platz ist genug, es sind große Spulen.

Nachdem ich diesen Post hochgeladen habe, geht es los, und ich werde das Spinnrad auch mitnehmen zu einem Stricktreff, den ich heute das erste Mal besuchen werde. Ich bin gespannt, wie sich das entspinnt...

Montag, 2. Juli 2018

Resturlaub...


Nach der Woche auf Helgoland hatte ich noch eine weitere Woche ‚frei‘, weil die Klasse noch im Praktikum war. Obwohl - oder weil? - die deutsche Nationalmannschaft ausgeschieden ist, sitzt der männliche Teil der Familie jetzt vor dem Fußballspiel und ich genieße einen ruhigen Abend auf der Terrasse. (Nebenan probt der Kirchenchor, aber sie können es schon ganz gut.) 

Immer wieder schön, auch wenn Fotos ihrer Pracht eigentlich
überhaupt nicht gerecht werden...

Reste vom letzten Jahr - leider habe ich dieses Jahr keine Ballonblumen.

Im Gegenlicht: Fenchel, hinter den Sonnenblumen, alles wächst prächtig.

Die Vögel zwitschern, und ich lasse die letzte Woche Revue passieren.

Während ich weg war, sind die Beeren reif geworden, und wie jedes Jahr befinde ich mich in der intensiven Beeren-Woche. Diesmal ein bisschen früher als sonst, weil das Frühjahr so zeitig und warm war. Zwar ist einer der Stachelbeerbüsche dem Frost zum Opfer gefallen, aber die verbleibenden haben dieses Jahr sehr intensiv getragen, und auch alle Johannisbeerbüsche sind gut beladen, es gibt eine reichliche Ausbeute an Marmelade und potentieller Roter Grütze. 


Und es ist noch nicht alles abgeerntet.

Den Rest der Woche habe ich an einer Rede und einer Gästeliste gearbeitet, die es plötzlich und überraschend zu erstellen galt, vor mich hingepuzzelt und festgestellt, dass es ganz schön sein kann, ohne äußere Verpflichtungen in den Tag zu leben, nur ein bisschen Beerenschlacht am Rande…



Allerdings habe ich mir trotz bester Vorsätze wieder etwas Zeit gelassen, den Symposiumsquilt fertigzustellen. Erst wollte ich die Schriften der drei verbleibenden Artikel noch mit Konturen umrahmen, aber nach zweimaligem Versuch beim Finnisch, einmal mit dunklem Grau (nicht genug Kontrast), und einmal mit fast weißem hellen Grau (ausreichend Kontrast, aber die Schrift an sich war so zart, dass die Konturen nur katastrophal gerieten) hörte ich auf meinen Mann, der meinte, es wäre nicht nötig, der Gesamteindruck stünde für sich. Keine weiteren Konturen, und auch die Idee mit dem Keilrahmen wurde verworfen, weil ich keine Erfahrung damit habe, eine so große Arbeit auf Keilrahmen zu ziehen, und gerade bei diesem Teil keine Experimente eingehen wollte. Es heißt also nur noch, den Rand fertigzustellen und das vollendete Teil bei der Stadt abzugeben.




Am Freitag der Ausflug nach München, um „Made in Europe“ zu hängen, Samstagvormittag der letzte Teil des Kurses Deutsch für Ärzte, den ich seit Februar unterrichtet habe, und heute auch wieder Unterricht in der Klasse, die aus dem Praktikum zurück ist. Noch vier Wochen Unterricht, dann ist dieses Kapitel meines Lebens vorbei.
Heute Abend dann noch ein Foto von der ausgespülten blauen Weste, die im Zug von Helgoland fertig wurde.