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Donnerstag, 13. Dezember 2018

STABLE und Frustkauf

Das Englische ist eine Sprache, die sehr kreativ damit umgeht, aus Akronymen "neue" Worte zu kreieren, die entweder vorhandenen Worten eine zusätzliche Bedeutung hinzufügen, oder vollkommen neue Wörter erschaffen. Manche von denen entwickeln dann noch ein Eigenleben und wandern in andere Sprachen aus. NATO ist zum Beispiel so ein Wort, das es zu weiter Verbreitung gebracht hat, AIDS ebenso. In gewissen Stoffenthusiasten- und Wollfanatiker-Kreisen gibt es das Wort STABLE. Zwar kennt man 'stable' ursprünglich mit den Bedeutungen 'Stall' oder 'stabil', aber unter Textilen meint man damit "Stash beyond life expectancy" (ungefähr: Vorräte bis ans Lebensende).
Als ich noch am Stand meine handgefärbten Stoffe verkauft habe, hat es mich schon manches Mal närrisch gemacht, wenn mir Leute, die intenstivst die Stoffe streichelten, erzählten, wieviel Stoff zu Hause darauf wartete, verarbeitet zu werden, und deshalb könnten sie jetzt bei mir nichts kaufen (aber ewig lang meine Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dass konnten sie schon, während vielleicht andere potentielle Kundinnen vorbei liefen - und später kamen sie dann doch noch mit schweren Taschen voller Einkäufe wieder an meinem Stand vorbei ...).
Den Zustand dieser unermesslichen Vorräte kenne ich ja auch - unvergessen bleibt mir das Erstaunen der Packer, die, als wir in dieses Haus einzogen, meine Stoffkisten sahen und ihre Zahl nicht glaubten - und das war noch vor dem Stoff-Abo.
Und bei Wolle geht es mir ähnlich - ich habe genug, um viele Jahre stricken zu können. Genug Sockenwolle, z.B., die zukünftigen Pullover oder Westen lasse ich jetzt mal außen vor. Im Sommer hatte ich mir deshalb ein Sockenwolle-Moratorium verhängt. Keine neue Sockenwolle mehr, bis nicht wenigstens die Hälfte der vorhandenen Vorräte aufgestrickt wäre.

Eine gut gefüllte Kiste.

Ich habe ein Sockenwollresteverwertungsprojekt angefangen, das die kleinen Rextchen, die beim Sockenstricken noch übrigbleiben, wenn man aus dem Rest vom ersten Paar noch die Streifen im nächsten Paar gestrickt hat.



Das ist ein bisschen wie lieseln mit Stricknadeln und kann eine gut beschäftigen. Das selbstauferlegte Sockenwollkaufverbot habe ich ca. ein halbes Jahr lang eisern durchgehalten. Dann kam der Nachmittag eines Novembertages, an dem ich mich mit meinem Sohn um irgendeine Lappalie heftigst gestritten habe. Als er endlich ins Training abgezogen war und das Haus wieder ruhig, habe ich mich völlig gefrustet aufgemacht, um durch die Geschäfte unseres Ortes zu ziehen, wo gerade an diesem Tag 'lange Einkaufsnacht' war. Eigentlich wollte ich schauen, was es hier an Kleidung in den schönen Gelbtönen gibt, die diese Saison Mode sind, und eigentlich wollte ich mich auch nur informieren. Kleidung brauche ich ja auch nicht wirklich. Schnell stellte sich heraus, dass die Teile, die hier im Angebot waren, meinen Vorstellungen nicht so ganz entsprachen. Einkaufen gehe ich ja sowieso nicht besonders gerne. Und wenn ich mal gehe und nichts von dem finde, was ich mir vorgestellt habe, dann lande ich - erstens im Handarbeitsgeschäft, und dann im Buchladen. Da kam dann ein Sockenwollfrustkauf zustande, der es in sich hatte, denn der Handarbeitsladen bei uns im Ort ist ausnehmend gut sortiert.

einige interessante Materialmischungen - mit Seide, mit Kaschmir - und von
dem grünen Knäuel gibt es auch noch eins in blau, das ist schon in Bearbeitung.
Ein paar Tage später dann stolperte ich im Supermarkt - wo ich eigentlich aus Prinzip keine Wolle kaufe, weil ich der Meinung bin, ich unterstütze lieber diesen kleinen Handarbeitsladen im Ort, und außerdem sind die regulären Sockenwollknäule im Supermarkt einen Euro teurer als dort - über ein Angebot für das Knäuel für € 4.99. Da konnte ich dann auch nicht mehr widerstehen.


Auf Instagram habe ich die wunderbaren handgefärbten Garne von Sock Obsession Yarns entdeckt. Und lange immer nur angeschaut. Aber dann gab es einen Special Sale, sie schickt überall hin... das Päckchen habe ich aber meinem Mann übergeben, damit er es mir zu Weihnachten überreicht. Und von meiner Mutter habe ich mir zu Weihnachten das Sockenwoll-Abo von Zen Yarn Garden gewünscht, die im März gegenüber des Standes von HandiQuilter auf der h&h waren. Aber jetzt gilt wieder das Moratorium. Keine Sockenwolle, mindestens für die nächsten 2 Jahre, oder vorher 20 Paar gestrickt haben...
Wie sagen doch manche Quilterinnen? "She who dies with the most fabrics, wins."

Dienstag, 28. August 2018

Reste, Reste, Reste


Für die Mitgliederzeitschrift der Patchworkgilde Deutschland hatte ich Anfang des Jahres einen geschichtlich orientierten Artikel aus dem Englischen übersetzt, in dem die Entstehung und Veränderung der „English Paper Piecing“ Methode beschrieben wurde. Früher hatte ich einige Hexagon-Quilts genäht, das war dann etwas eingeschlafen, wenngleich ich die Schablonen noch nicht entsorgt hatte.
Durch die Übersetzung ist die Faszination dieser Methode wieder neu entflammt. Nicht, dass meine Scraps-Orientierung je nachgelassen hätte, einen Stoffrest größer als 2cm2 kann ich nicht wegwerfen, und das farbliche Sortieren ist immer wieder eine Art Meditation. Auch das Daily-Art-Projekt„A Scrap a Day“ ist ein Beweis dafür, wie sehr ich mit Resten befasst bin.

Das gilt sogar auch für Wollreste – vor kurzem habe ich angefangen, ein Schultertuch aus den Resten der Sockenwolle meiner zahlreichen Sockenproduktionen zu stricken, das ein Mehrjahresprojekt zu werden verspricht.




Und dann natürlich die Beschäftigungsmöglichkeiten für den Urlaub – ausser dem Daily Art habe ich noch mehrere andere Resteverwertungsprojekte mitgenommen. Zum Beispiel immer Socken. Drei Paar sind schon fertig, das 4. ist angefangen.



Den neuen Wollwickler habe ich mitgenommen.


Und so puzzle ich vergnügt vor mich hin. Zum Beispiel seit ein paar Wochen die Drachen, die mit Streifen zum Sechseck werden sollen. Ursprünglich wollte ich nur Hemdenstoffe nehmen. Aber das hat sich natürlich alles mal wieder verselbständigt, mittlerweile sind alle möglichen anderen Streifenstoffe, und Hemdenstoffe sind eigentlich noch gar nicht soviele dabei. 


Bei Mama kann man außerdem auch in ihrem Vorrat suchen, sie hat garantiert andere Streifenstoffe als man selbst…



Des weiteren schneide ich große Dreiecke, kleine Dreiecke – alles hervorragende Möglichkeiten, in der Restekiste zu stöbern, Stoffstückchen hin und her zu schieben und immer mal wieder ein paar Stückchen zusammen zu nähen. 


Samstag, 7. Juli 2018

Tour de Fleece


Voriges Jahr habe ich von meiner Freundin Maike zum ersten Mal von der „Tour de Fleece“ gehört und mich anschließend darüber auf Ravelry informiert.
Man meldet sich für ein Team an - oder bildet ein eigenes Team mit anderen. Während der gesamten Tour de France spinnt man jeden Tag, postet Fortschritte auf der Seite und ermittelt am Ende das Gesamtergebnis. Das eigene Ergebnis trägt zum Teamergebnis bei.

Als ich davon hörte, war die Tour schon in vollem Gange und ich habe mich nicht mehr eingeklinkt, weil das ja bei der echten Tour de France auch nicht geht. Ich fahre erst los, wenn die Alpenpässe vorbei sind… wie cool ist das denn! 
Dieses Jahr habe ich aber rechtzeitig dran gedacht, mich beim Team Rookie (die Anfänger, die zum ersten Mal dabei sind) angemeldet. Und heute geht es los.

Ich strebe keine exorbitante Meisterleistung an. Aber ein kleines bisschen jeden Tag sollte schon drin sein, und ich habe mir auch überlegt, was ich machen will.
Ich bin momentan sowieso an einem Spinnprojekt, das schon begonnen hat, bevor ich noch die weiße Patentjacke fertig gestrickt hatte. Im Mai hatte ich auf der Nadelwelt bei dem holländischen Stand, Adrian, der ungesponnene Wolle zum Filzen und Spinnen verkauft, 400g wunderbar weiche graue Merinowolle gekauft. Die will ich dreifädig verspinnen, allerdings gezwirnt mit der dunkleren grauen, die ich schon länger in meinem Vorrat habe. 

Hellgrau sieht jetzt nur noch so wenig aus, weil die Hälfte des Vorrats schon
abgewickelt wurde - aber das dunklere Grau ist in tatsächlich in rauhen Mengen
vorhanden.

Geplant habe ich ein dreifädiges Garn, zwei aus dem hellen Grau, einen aus dem dunklen.
Deshalb werde ich heute anfangen, den dritten Faden zu spinnen, die leere Spule steht bereit. Die beiden ersten Fäden sind bei weitem noch nicht fertig, aber ich habe gewogen, wieviel Gramm auf jeder Spule sind - nur für den Fall der Fälle, dass die dritte Spule in diesen drei Wochen tatsächlich voll wird. Was vermutlich nicht passieren wird, aber sicher ist sicher.

Die 77g-Spule soll auch noch die bei ihr liegende ungesponnene Menge auf-
nehmen, und der Rest des Kammzugs wird dann noch gleichmäßig auf diese
beiden Spulen verteilt. Platz ist genug, es sind große Spulen.

Nachdem ich diesen Post hochgeladen habe, geht es los, und ich werde das Spinnrad auch mitnehmen zu einem Stricktreff, den ich heute das erste Mal besuchen werde. Ich bin gespannt, wie sich das entspinnt...

Mittwoch, 20. Juni 2018

Flucht nach Helgoland


Das Gekeife und Gezänk der bayerischen Alpha-Männchen der letzten Wochen hat mich ziemlich gelähmt. 
(Ich bin erstaunt, wie wenig Realitätsbezug die besitzen, aber auch, mit welcher Vehemenz sie ihre Linie verfolgen. Klar haben sie Recht, wenn sie sagen, dass bereits registrierte Flüchtlinge an den Grenzen zurückgewiesen werden sollen. Aber wenn Deutschland das zu einer großangelegten Vorgehensweise macht, und keine europäische Einigung erreicht ist, ist doch genau abzusehen, dass die anderen Länder dann einfach Flüchtlinge durchwinken werden. Dann sind sie nicht registriert, und dann können sie nicht abgewiesen werden. Wie engstirnig kann man denn tatsächlich denken? Mir graust es vor der Landtagswahl… aber ich will hier nicht in politische Argumentationen abgleiten.)

Nach der Rückkehr aus Celle habe ich, teilweise wegen dieser gerade erwähnten Lähmung, aber teilweise auch wegen anderer Gründe, noch nicht wieder an der Nähmaschine gesessen. Tatsächlich steht sie noch eingepackt im Zimmer, wie ich sie nach dem Symposium dort abgestellt hatte.
Stattdessen habe ich ein Top für eine Freundin an der Longarm gequiltet, ein bisschen gelieselt, viel gestrickt, ein bisschen gesponnen, mein Daily-Scrap-Projekt weiter betrieben. Unter anderem habe ich hierfür Stoffe getestet, die die durch die Rundungen der Leinenstücke entstehenden Löcher ergänzen sollen.






Entschieden habe ich mich allerdings noch nicht, welcher von diesen, oder ob vielleicht alle ein bisschen, das Rennen machen wird.

Ein weiterer hemmender Faktor, die Nähmaschine überhaupt auszupacken, bestand auch darin, dass ich wusste, dass ich schon bald wieder eine Woche weg sein würde. Im Moment bin ich mit einer Freundin auf Helgoland. 


Hier gehen wir spazieren, 

Badestrand auf der Düne - fast der Begräbnisort für mein Handy,
aber ich hatte Glück und konnte es wiederfinden...

stricken viel bei vielen Kannen Tee,


beobachten Vögel und Seehunde, 



Leider sind es mitunter die Seehunde selbst, die nicht auf den ausreichenden
Sicherheitsabstand von 30m achten...

sammeln abgewaschene Glasstückchen am Strand, 


gehen jeden Abend zum Sonnenuntergang an die Lange Anna,


und lassen es uns einfach nur gut gehen.
Danach steht dann an, den Quilt vom Symposium fertig zu stellen.