Montag, 17. Juli 2017

Warten, weiter.



Nach wie vor weiß ich nicht, ob ich im nächsten Schuljahr weiter unterrichten werde. Zwar hat der zuständige Kreisausschuss die Fortführung des Projekts im Prinzip genehmigt, allerdings sind durch die übermäßige Wartezeit einige der bereits angemeldeten Schüler nervös geworden, haben sich für eine Ausbildung an der Altenpflegeschule in Landshut entschieden, und auf einmal liegen nicht (mehr) genügend Anmeldungen vor, um die Klasse bei uns durchzuführen. Ob sich das noch wieder ändern wird, weiß ich nicht. Ich habe mehrere Fühler in andere Richtungen ausgestreckt, aber noch nichts gehört. Mein kess geäußerter Plan B, ‚dann gehe ich eben als Crew mit Sea-Eye ins Mittelmeer‘ hängt mir zwar noch im Kopf, allerdings ist dieser Bericht, den ich heute gelesen habe,
ein deutlicher Hinweis darauf, was für ein schwieriger Einsatz das wäre. 
Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich mich wirklich dafür melden würde. Vielleicht würde ich es im Moment, nach den emotionalen Anstrengungen des letzten Jahres, nicht durchhalten. Schließlich haben etliche der derzeitigen Klassenteilnehmer diese Art von Fahrt auch unternommen. Einer hat mir sogar das Foto gezeigt, das ein Retter gemacht hat, als er das Tau des Rettungsbootes gefangen hat, mit dem sein kleines Schlauchboot gerade der marokkanischen Küstenwache entkam, das nicht viel weiter vom Schlauchboot entfernt war als das Rettungsboot. 




Dieses Gefühl, in der Luft zu hängen, ist für mich alles andere als schön. Aber ich frage mich, wie sich das für die Teilnehmer in der Klasse anfühlen muss, für die das ja noch viel ausgeprägter sein muss. Ich bin legal, ich darf bleiben, ich habe Familie, wir wohnen in einem zwar etwas älteren und nicht nur schönen, aber geräumigen Haus, und selbst wenn ich nicht sofort wieder einen Job habe, habe ich über meinen Mann genügend Geld zur Verfügung. Aber sie - vor allem diejenigen, die immer noch keine Arbeitserlaubnis erhalten haben... man fragt sich, wie sie das überhaupt aushalten. Und trotzdem fröhlich bleiben.


Vor einigen Tagen habe ich ein Top soweit fertig genäht, dass es jetzt ans Quilten gehen kann. Da heute die Ausschreibung für die Quilt Triennale kam, habe ich mir allerdings vorgenommen, dass ich ihn dort einreichen werde, deshalb werde ich hier erstmal keine weiteren Bilder von diesem Quilt zeigen.
Heute Morgen habe ich in meiner Funktion der Internationalen Repräsentantin der Patchwork Gilde die Pakete für Birmingham gepackt und nach dem Mittagessen zur Post gebracht: einmal ein Paket für die Ausstellung „Diversity in Europe“, dann die kleinen EQA-Challenge-Quilts nach dem Thema „Inspired by…“, und ein Paket mit zwei Kinderquilts. Und ich bin dabei, die Artikel für das nächste Mitgliederheft fertig zu machen. Und ich habe letzte Woche im Copy-Shop zwei Dateien groß ausdrucken lassen, die jetzt auf Weiterbearbeitung warten. 


Samstag, 8. Juli 2017

Beerenzeit, und so


Es ist Beerenzeit und ich habe schon alles Mögliche geerntet


rote Johannisbeeren,

weiße Johannisbeeren,

Stachelbeeren,

schwarze Johannisbeeren,... Himbeeren reichen nur zum direkten
'vom Strauch essen'

 und mehrere Sorten Marmelade gekocht.




Zwar haben meine zwei Männer inzwischen umgestellt, der eine isst vorzugsweise Müsli, der andere die Schokocreme aufs Brot, so dass ich als einzige in der Familie als regelmäßige Marmeladenesserin übrig geblieben bin. Dafür lohnt es sich eigentlich nicht, so viel Marmelade zu kochen, wie meine Beerenbüsche hergeben. Aber alte Gewohnheiten lassen sich nur mühsam ablegen oder ändern, und ich esse ja nun wirklich gerne meine eigene Marmelade.

Nebenbei hat sich das Aussehen meines Gartens allmählich verändert.  Ich staune über die Arbeitskraft und Effizienz, die mein Helfer an den Tag legt und lasse ihn einfach machen. Ein erfreuliches Ereignis seiner Bemühungen ist, dass meine alte Rhabarberpflanze, die bisher ein sehr eigenwilliges Leben geführt hat, sich darauf besinnt, dass sie es vielleicht doch nochmal versuchen könnte. Das finde ich sehr erfreulich, und hoffe auf leckeren Rhabarberkuchen nächstes Jahr.




Und ich nähe immer mal wieder weiter an dem Quilt, den ich vor einigen Tagen angefangen habe.

Zwischendurch huschen Ideen durch den Kopf, von denen ich noch nicht weiß, welche realisierbar sind.

hieraus würde ich gerne einen Quilt machen...

Da wir nach wie vor nicht wissen, wie es mit den jetzigen Teilnehmern der Klasse weitergeht, und für mich davon auch abhängt, ob ich nächstes Jahr weitermachen würde - wenn es denn mit einer neuen Klasse weiterginge, was wir auch noch nicht wissen - ist alles ziemlich offen. Ich habe keine Ahnung, ob ich ab September einen Job haben werde, oder wieder mehr Zeit für Quilts. Beides hätte seine Vor- und Nachteile. Ich würde es aber eigentlich ganz gerne bald mal wissen.

Auf jeden Fall hat meine Spanischlehrerin mich gedrängt, ich sollte mich mal für eine Prüfung anmelden. Das will ich im Prinzip auch tun. Nur ist prompt mit diesem Ansinnen meine Vokabelkartenbox verschwunden - selbstgeschriebene Vokabelkarten aus eineinhalb Lehrbüchern! Ich habe schon überall gesucht, aber im Moment ist sie verschwunden. Eine als Ersatz gekaufte Box mit gedruckten Karten gefällt mir nicht, weil da zu viele verschiedene Sachen auf den Karten stehen… Aber vielleicht taucht sie ja doch noch wieder auf. Vermutlich nach der Prüfung.
Im August fliege ich mit meinem Sohn für drei Wochen in die USA und überlege, ob ich mir dafür noch ein Handnähprojekt vorbereite. Aber ob dazu die Zeit noch langt? Jedenfalls habe ich heute das Foto, das zur Inspiration dient, erstmal ein bisschen bearbeitet und werde schauen, ob sich das noch realisieren lässt (s.o). Schablonen, zuschneiden … vielleicht ein bisschen ehrgeizig vor der Abreise, weil auch noch so viel anderes ansteht.

Samstag, 1. Juli 2017

Harte Zahlen

Da wir keinen Fernseher haben und ich auch nie einen echten Überblick darüber, was man sich via Computer anschauen könnte, habe ich in der vergangenen Woche natürlich nicht die Diskussionssendung über Abschiebungen angesehen, aber am nächsten Tag darüber im Internet gelesen. An dem Tag war ich sowieso schon heftig in Fahrt, weil ich einen Leserbrief als Reaktion auf einen unglaublich blöden Artikel über Aussagen unseres Landrates geschrieben hatte. (Unglücklicherweise ist dieser Landrat ja im weitesten Sinne auch mein Arbeitgeber, weil die Schule, an der meine Klasse angesiedelt wird, letztendlich vom Landkreis finanziert wird ... aber meine Meinungsfreiheit lasse ich mir deshalb nicht nehmen.) Vielleicht war das der Grund, weshalb mich diese Zahlen, die in der Berichterstattung über Maischberger auftauchten so besonders erschüttert haben:



Etwa 222.000 ausreisepflichtige Menschen, deren Asylanträge abgelehnt wurden, leben aktuell in Deutschland. 158.000 von ihnen werden nur geduldet, sie könnten theoretisch jederzeit abgeschoben werden. Faktisch passiert dies oft erst nach Jahren – oder Jahrzehnten.


Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen - zweihundertzweiundzwanzigtausend. Auf 80 Millionen. Das heißt, wenn man alle Einwohner Deutschlands nebeneinanderstellen würde, hätte jeder 363. einen 'ausreisepflichtigen' neben sich stehen. Gut, jeder 100. hätte einen anerkannten Flüchtlich neben sich stehen. Aber auch diese Relation - lohnt es sich wirklich, sich dermaßen darüber aufzuregen? Was können uns diese paar Hansel denn wirklich schaden oder wegnehmen, oder wie uns stören? In diesem reichen Land soll es nicht möglich sein, statt Milliarden für ABschiebezentren auszugeben, diese paar Leute mit finanzieller Unterstützung zu integrieren?
Über die Demonstration in München ist bis heute nicht berichtet worden. Geht das, in einem Land, das sich etwas auf seine Maßstäbe der Pressefreiheit einbildet, und in einer Stadt, in der eine Zeitung angesiedelt ist, die für sich reklamiert, eine der bedeutendsten Zeitungen Deutschlands zu sein, frei, unabhängig...?  Ich frage mich, wie lange ich dies alles noch aushalte, ohne durchzudrehen...

Vor einigen Tagen habe ich einen neuen Quilt angefangen, der letztendlich auch mit Zahlen zu tun haben wird. Er wird in der Serie "text messages" verankert sein. Ausgelöst durch die Zahlen, die genannt werden, wenn darüber berichtet wird, wieviele Menschen dieses Jahr schon im Mittelmeer ertrunken sind - von denen man es weiß.
Im Moment ist es eher noch meditativ-sinnierendes Nähen, oft in den frühen Morgenstunden, weil ich wieder sehr früh aufwache.  Aber er geht voran.