Sonntag, 14. Oktober 2018

Slow Stitch – und: Wo ist eigentlich meine Nähmaschine?


In der Textil- und Kreativ-Welt gibt es ja eine starke Bewegung, die das sogenannte ‚slow stitch‘ favorisiert. Langsames, von Hand arbeiten, einerseits mit vielen Stickstichen auf Quilts, andererseits das bewusste Arbeiten von Hand. Das ‚English Paper Piecing‘ erlebt eine Renaissance, ‚visible mending‘ ist ein stark frequentierter Hashtag auf Instagram und zahlreiche Künstlerinnen fertigen wundervolle Arbeiten mit intensivster Handarbeit, eine meiner Favoritinnen ist hier Judy Martin,  deren Blog und Homepage mir immer wieder Anregung und Inspiration ist, und auch ihre Posts auf Instagram unter judithemartin sind eine regelmäßige Freude.
Die beruhigend-therapeutische Wirkung von direkter Handarbeit ist auch für mich ein wichtiges Element und sicher einer der Gründe, warum ich gerne spinne und wieder vermehrt stricke, warum auch ich wieder zu Resteprojekten in Paper Piecing Technik gekommen bin, und warum ich ursprünglich sehr gerne von Hand gequiltet habe. Mit Nadel und Faden zu arbeiten, auch ohne Maschinengeräusch hat etwas, das eine von den Wirren der Weltläufte ausklinkt, einen Bodenhaftung herstellenden Sog entwickelt und manchmal auch manches vergessen lässt.
Heute, am Tag der Wahl in Bayern habe ich eine ganze Zeit lang nur auf der Terrasse gesessen und weiter an meinem Flüchtlingsquilt gearbeitet, der jetzt am Schluss auch noch einige Stiche von Hand verlangt. 

text messages 19 - Detail

Eigentlich wollte ich ihn an diesem Wochenende fertig bekommen. Das hat noch nicht geklappt. Denn letzte Woche hat meine Arbeit daran einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Ich wollte mit dem Heftfuß meiner kleinen, alten Bernina einen besonderen Effekt hinzufügen, diesen Fuß habe ich für die neue große Maschine nicht. (Soweit ich gesehen habe, gibt es ihn nicht mal als Zubehör, das noch gekauft werden könnte.) Also ging ich in den Flur, in dem die Maschine zwischen Workshops, zu denen sie in der Regel mitgenommen wird, steht. Da war sie nicht. Im anderen Flur, wo sie auch schon mal eine Weile stand, war sie auch nicht. Nicht in meinem Arbeitszimmer. Nicht unter dem Flügel (Vorschlag meines Mannes), nicht im Keller, nicht in der kleinen Nebenwohnung im Haus, in der manchmal ‚Lagergegenstände‘ landen. Dreimal bin ich mindestens mit wachsender Panik durchs Haus gegangen, keine Nähmaschine. Ich konnte mich nicht erinnern, sie weggegeben zu haben, oder gar verliehen. Da von einer Seite aus manchmal Publikumsverkehr im Haus ist, hatte ich einen bösen Verdacht, dass sie vielleicht entwendet worden sein könnte, denn ein wunderschöner großer Wäschekorb ist auf die Art schon mal verschwunden und nie wieder aufgetaucht.
Alles dies natürlich spät abends – ich musste bis zum nächsten Tag warten, um beim Nähmaschinenhändler anzurufen, ob sie vielleicht bei ihm stünde, aber wie gesagt: ich hatte keinerlei Erinnerung daran, sie abgegeben zu haben… Dort fand sie sich dann tatsächlich an, ich muss sie wohl abgegeben haben, als ich die Nähmaschine für Afrika abholte - aber nun ich mache mir Sorgen über mein Erinnerungsvermögen, wenn ich nicht mal mehr weiß, wo meine Nähmaschine ist. Sie war jedenfalls nocht nicht repariert, weil ich wohl gesagt hatte, es eile nicht, und so konnte ich sie nicht einmal Freitag nachmittag kurz vor Ladenschluss noch abholen. Ob sie gleich am Wochenanfang durchgesehen wird, konnte mir niemand sagen, und jetzt heißt es entweder warten, oder auf diesen Effekt verzichten.
Jedenfalls saß ich auf der Terrasse in 

der ehemalige Sandkasten

und mit einer besonderen Sonne, 

teilweise eigene Äpfel vom neuen, kleinen Apfelbaum

stichelte geruhsam vor mich hin und wartete auf das Ende des Tages und die ersten Hochrechnungen nach der Wahl. Das Geblubber der Politiker, die jetzt alle die totale Analyse suchen und versprechen und die gräßlichen Journalistenfragen, die schon jetzt Aussagen über Konsequenzen aus den Interviewpartnern herausdrücken wollen, erspare ich mir allerdings. Ich bin nur froh, dass dieser Tag, so schön er wetter- und arbeitsmäßig an sich auch war, erst einmal vorbei ist. Das Ergebnis ist nicht ganz so schlimm, wie ich es befürchtet hatte, aber schlimm genug, und es bleibt abzuwarten, wie sich die Koalitionsverhandlungen gestalten werden. Da kann man einfach nur weiter sticheln, Tee trinken und hoffen, dass sich doch irgendetwas vielleicht sogar zum Besseren ändern wird.  

Dienstag, 9. Oktober 2018

Wie geht es weiter.

Am 3. Oktober, Feiertag, wollte ich eigentlich nach München fahren, um an der Demonstration teilzunehmen. Aber ich hatte schon mehrere Tage mit einem sehr unerfreulichen Schnupfen zu tun, der meinen Kopf ziemlich lahmgelegt hatte, und auf heftiges Zuraten von verschiedenen Seiten habe ich mich dann davon abbringen lassen. Mehrere der Flüchtlinge meinten, es wäre wichtiger, dass ich meine Gesundheit wieder herstelle, als dass ich im Demonstrationszug mitmarschiere.
Statt der politischen Präsenz auf der Straße habe ich zwei sehr gute Radiosendungen gehört, die ich hier gerne weiterempfohlen hätte, aber ich habe gerade nicht die Geduld, die Links zu podcasts oder audiotheken oder ähnlichen Möglichkeiten, etwas im Nachhinein zu hören, herauszusuchen. Das eine war eine sehr interessante Sendung im Deutschlandfunkt, später Vormittag, über das Entstehen der neuen extremen rechten Parteien, und das andere eine Sendung über 'Heimat' als Begriff und deutsches Konzept. Auch diese Sendung, abends, glaube ich, im Deutschlandfunkt, oder auf Bayern 2. Durchaus zum Nachhören empfohlen, aber wie gesagt, die Links...

Den Tag habe ich dann genutzt, um den Quilt für "Forced to Flee" weiter zu bringen. Der Einsendeschluss ist Ende des Monats, und allmählich nimmt alles Formen an.
Natürlich dauert alles länger, als ich mir das vorgestellt hatte. Aber immer wieder stelle ich fest, dass es die Zeit braucht. Kleine Ideen, wie etwas gestaltet werden kann, schleichen sich unmerklich ein, aber es ist notwendig, dass zwischendurch kleine kreative Pausen entstehen.
Wiederkehrende Panikattacken, dass ich es vielleicht nicht schaffen könnte, werden dann abgelöst von Erleichterung, dass diese kleinen Fortschritte wirklich gute Ergänzungen sind. Mir gefällt, was entsteht, und nur selten habe ich so ein gutes Gefühl dabei gehabt, während ich einen Quilt hergestellt habe. Da eine Jury entscheiden wird über die Aufnahme in der Auswahl, und ich vermute, dass es viele Einsendungen geben wird, zeige ich hier jetzt keine Fotos.
Ich nehme nur immer mal wieder die Nadel in die Hand (sprichwörtlich - tatsächlich das Top an die Maschine) umd mich über Verzweiflungsmomente hinweg zu beamen. Jetzt steht diese unsägliche bayerischen Wahl bevor, und wer weiß, was danach wird. Die Koalition hat sich auf einen Entwurf für ein 'Fachkräftezuwanderungsgesetz' geeinigt, und im Entwurf ist schon wieder angelegt, dass Bayern seine Ausgrenzungspolitik weiter fortsetzen wird. Es heißt, diejenigen, die Arbeit und Wohnung haben und sich selbst unterhalten können, sollen eine Chance auf längeren Aufenthalt haben. Das fühlt sich an wie Schläge ins Gesicht aller Helfer, die in den vergangenen Jahren darum gekämpft haben, dass sich in Bayern etwas tut. Denn Bayern hat die Arbeitsverbote in einem solchen Umfang verteilt, dass praktisch keine Geduldeten - und seien sie noch so gut integriert und sprachgewandt und interessiert und und und - eine Arbeit haben. Es braucht keine große Vorstellungskraft, um sich auszumalen, wie es hier weitergehen wird. Denn die arbeiten ja alle nicht - also steht zu befürchten, dass sie von diesem Passus der erleichterten Aufenthaltsgenehmigung nicht werden profitieren können.
Es fällt schwer, zuversichtlich zu sein, im Moment.

Mittwoch, 26. September 2018

Handgedrechselte Fadentrenner

Meine große Aufräumattacke der vergangenen Woche führte auch dazu, dass ich endlich die Kiste, die mich standardmäßig zu Märkten begleitet hat, aufgelöst habe, und dabei sind noch ein paar der handgedrechselten Fadentrenner von Bernhard Lange aus Freising aufgetaucht.
Wer bei den letzten Gelegenheiten, zu denen ich noch mit Stand bei Märkten vertreten war, mal vorbei geschaut hat, hat sie damals vielleicht gesehen.
Ich selbst benutze sie auch, habe sie mehrfach verschenkt und bin von der Qualität und dem Haltegefühl der Trenner begeistert. Da macht das lästige Trennen, um das man ja manchmal nicht herumkommt, fast Spaß...

Bevor ich sie zurückgebe, möchte ich sie hier noch anbieten. Es sind 11 verschiedene Exemplare.


Sie kosten 25 Euro das Stück, Porto kommt dazu. Bitte schicken Sie mir eine E-Mail unter Angabe der Nummer des Trenners, an dem Sie Interesse haben.

Sonntag, 23. September 2018

Herbstgedanken

Die Tag- und Nachtgleiche ist vorbei, und heute hat unser Schwimmbad für den Winter geschlossen. Das ist wieder der Anfang von 7 Monaten Durststrecke. Obwohl ich wirklich bis 5 Minuten vor Toresschluss geschwommen bin, und es auch noch ein einigermaßen schöner Tag war, kann ich nicht verhehlen, dass ein paar Herbstgedanken aufkommen.

Dieser Gingko wird und wird nicht größer, obwohl man
gerade an ihm immer den Begin des Herbstes besonders
deutlich sieht, er also ein wirklicher Repräsentant der
vergehenden Zeit ist.

Seit ich aus Ste. Marie-aux-Mines zurück bin (über die Abenteuer auf der Zug-Heimreise werde ich mich vornehm ausschweigen) werde ich von einer Ordnungsattacke geplagt. Eigentlich hatte ich vor, möglichst schnell möglichst intensiv an meinem Quilt für die SAQA-Ausschreibung "Forced to Flee" zu arbeiten, damit er fertig wird. Es bleibt noch etwas mehr als einen Monat Zeit, bis die Einreichungsfrist zu Ende geht, aber er muss nach der Fertigstellung ja auch noch fotografiert werden... nun kommt mir diese Ablenkung dazwischen. Was allerdings vermutlich auch ein Zeichen dafür ist, dass noch nicht alles endgültig durchdacht ist. Da ist Sport auch eine gute Methode - die körperliche Bewegung lässt den Gedanken eine besondere Art von freiem Raum, und mir sind beim Radfahren oder Laufen oder Schwimmen schon öfters gute Ideen gekommen. Und prompt ist mir beim Schwimmen heute etwas eingefallen, wie ich vorgehen könnte. Ich möchte kein Vlies verwenden, aber die zur Zeit vorhandenen 2 Hälften müssen irgendwie verbunden werden, und die eine davon auch noch stabilisiert. Jetzt weiß ich wenigstens, wie ich es versuchen werde.

Beim Aufräumen kommen allerdings auch immer mehr 'Works in Progress' zum Vorschein, von denen ich im Prinzip schon noch wusste, aber manche seit längerem nicht mehr bedient habe. Unter anderem diese zwei - in unterschiedlichen Größen - Underground Railroad (oder: Jakobsleiter) Projekte. Von denen wurde der eine im Laufe des Baby Jane angefangen, weil mir dieses Muster ja schon immer ausnehmend gut gefallen hat und ich es in 4 1/2 inch-Größe nochmal spannender fand. Da braucht man allerdings sehr viele Blöcke. Und mehr als diese  10 habe ich bisher noch nicht.

Zwar liebe ich Gelb und Rot wirklich über alles, aber ich denke, ich werde
versuchen, hier noch eine andere Farbausrichtung zu finden. Scrappy soll es
allerdings auf jeden Fall werden.


Und dann diese Größe, die ich angefangen habe, als ich das letzte Mal mit einem Kurs am Petersberg war und wir über die nächsten Kursthemen beraten haben, wobei die Wahl auf die Jakobsleiter/Resteverwertung fiel (als 2. Kurs im nächsten Jahr, im Oktober). Damals habe ich großspurig behauptet, wenn man jede Woche so einen Block näht, hätte ich bis zum Kurs tatsächlich eine Decke fertig. Hier habe ich schon ein paar mehr als 12 - aber jede Woche einen habe ich natürlich nicht gemacht. Größenverhältnisse für diese Variante: die Quadrate in den Four Patches sind fertig 1 inch breit.


Dann gibt es auch noch gefühlt 10 bis 15 weitere Scrap-Projekte, nicht nur A Scrap a Day! Viele von ihnen auch noch Liesel-Technik. Ich kann handnähen bis ans Ende meiner Tage. Damit werden natürlich die Stoff-Vorräte nur schrittchenweise abgebaut. Umso besser, dass der Aufräumtrieb, der mich gerade umtreibt, durch geschicktes Neu-Einsortieren auch mit dazu beiträgt, die Anzahl der Kisten an sich, und die der umherstehenden im Besonderen zu reduzieren.

Sonntag, 16. September 2018

Quilt-Favoriten in Ste. Marie-aux-Mines

Natürlich gibt es auch ganz tolle Quilts beim Carrefour zu sehen. Die Fülle ist überwältigend, und gerecht werden kann man ihr nicht. Meine ganz persönlichen Favoriten:

Detailfülle bei Henk van Kooten

Aweseom Threesome by Rajminder Kaur Kalsi, Kenya

Angela Walters

Poppy Fields bei Erick Wolfmeyer, USA

Marty Ornish, USA -
making wearable dresses from tattered quilts
Die Rückseite von Barbara Langes Quilt in Wide Horizons - ein Detail, wie man
es nur beim Aufhängen zu sehen bekommt!




Mein Favorit unter den Ausstellungen als Ganze: "An Eye on the Planet" vom Projekt Guldusi. Ganz tolle Ideen zur Verwendung der gestickten Augen von den afghanischen Frauen, wer diese Ausstellung noch irgendwo anders sehen kann, sollte das unbedingt tun!
 


Und immer wieder schön, die Kombination Rot-Weiß, hier nur ein Beispiel der schönen alten Quilts von "Amour Rouge" in den Schauräumen von rhinetex. Ich muss jetzt doch auch endlich mal so einen machen, im Hinterkopf habe ich das ja schon lange. Aber bei ca. 15 laufenden Projekten gleichzeitig...




Und mein absoluter Favorit im ganzen Tal - meines Erachtens auf jeden Fall "Best of Show" ist dieser alte Amish im Theater in der Sammlung von Jacques Légerét. Die Amish waren eben doch die ersten Modern Quilters, sie haben niemanden kopiert, und sie bleiben einfach unerreicht.



Ich habe viel gesehen, und trotz der Fülle, die mich zeitweise so erschlagen hat, dass ich am Samstagnachmittag eine Auszeit genommen, die Quiltshow 'geschwänzt' habe (so hat Barbaras Mann das genannt) und mit Barbara auf dem Flohmarkt in Sélestat war, habe ich Anregungen erhalten, neue Lust gewonnen und würde mich am liebsten gleich jetzt an die Nähmaschine setzen. Aber die ist nicht dabei im Silbertal, ich muss noch eine Doppelschicht Aufsicht schieben und dann abbauen, und es geht erst morgen früh nach Hause.

Samstag, 15. September 2018

Wieder neue Ansichten in Ste. Marie-aux-Mines

Seit Dienstagabend bin ich in Ste.Marie-aux-Mines, wo Barbara Lange und ich am Mittwoch die Wide Horizons VI gehängt haben, die Barbara kuratiert hat. Und wieder gibt es, obwohl ich ja schon so oft hier war, Neues zu entdecken. Found Art aus dem Elsass.






Baustellen sind immer spannend...

Sind das Rettungswesten ....?


Hier müsste man mal mit Stoff und Abdruckrolle vorbeikommen.

Und was in Frankreich einfach toll ist:
die Sorgfalt, die auf den öffentlichen und
privaten Blumenschmuck verwendet wird.
Das ist immer schön anzusehen.

Zum ersten Mal von innen gesehen: das erste beheizte Schwimmbad im Elsass.

Montag, 10. September 2018

Eine Nähmaschine für Afrika


Immer wieder bekomme ich Post von Organisationen, die mich überzeugen wollen, für verschiedene wohltätige Zwecke zu spenden. Natürlich bin ich dafür, solche großangelegten Projekte zu unterstützen. Und so einen Aufruf wie den von Plan halte ich natürlich für sehr wichtig, ihn zu unterstüzten konnte ich mich irgendwie noch nie aufraffen.



Die Aktion mit dem Knit-Along für einen guten Zweck hingegen, wo kleine Hilfsprojekte unterstützt werden, oder direkt persönliche Hilfen für Menschen, die von den großen Organisationen vielleicht nicht erreicht werden, sprechen mich eher an.
Einer meiner afrikanischen Schüler aus dem ersten Jahr an der Krankenpflegeschule, mit dem ich nach wie vor Kontakt halte, hatte mitbekommen, dass ich viel mit Nähmaschinen und dem ganzen Drumherum zu tun habe. Also hat er mich vor kurzem angesprochen, ob ich ihm helfen könnte, eine Nähmaschine zu besorgen, die er seiner Schwester nach Afrika schicken wollte. Dieser Schwester schickt er bisher jeden Monat von seinen wenigen Euro, die er als abgelehnter Asylbewerber erhält, etwas Geld, weil sie mit zwei Kindern im Grundschulalter von ihrem Mann verlassen worden ist und jetzt irgendwie über die Runden kommen muss. Sie wollte gerne mit einer Nähmaschine anfangen, für andere Leute auf Rechnung Kleidung zu nähen, aber es ist auch in Afrika nicht so einfach, an eine Nähmaschine zu kommen.
Das ist natürlich ein Gebiet, auf dem ich helfen kann. Von meinen eigenen Maschinen konnte ich keine hergeben – es darf nicht zu computerisiert sein, und die alte Bernina, die liebe ich so sehr, dass ich  mich nicht von ihr trennen kann. Außerdem ist sie leider eines von den Modellen, das davon betroffen ist, dass es nach dem Brand im Bernina-Lager bald keine Ersatzteile mehr geben wird, so etwas schickt man dann nicht nach Afrika. Mein wunderbarer Händler, Nähmaschinen Gruber in Geisenhausen, allerdings wusste Rat – er hat eine Pfaff-Maschine, die er bei sich stehen hatte, durchgesehen und instandgesetzt. Nadeln und Spulen hat er dazugegeben, denn als ich ihm alles erklärt hatte, wofür ich so eine Maschine bräuchte – schließlich kennt er mich und meine Maschinenaktivitäten, die, außer der Longarm, alle über ihn laufen – hat er beschlossen, die Sache von seiner Seite aus auch zu unterstützen. Am Schluss hat er mir nur den halben üblichen Preis, der für diese Maschine im Internet verlangt wird, berechnet, uns viel Erfolg gewünscht, und wir sind mit dem guten Stück losgezogen, um es seinem neuen Leben zuzuführen.


Garne, die ich von einer Frau, die mit dem Patchwork aufgehört hat, geerbt hatte, und einige Stücke Stoff habe ich auch noch dazugepackt. Und inzwischen ist das Maschinchen unterwegs. So ungefähr einen Monat bis 6 Wochen soll der Container brauchen, bis er im Senegal ankommt, und bis die Maschine dann bei der Empfängerin ist, kann es nochmal ein bisschen dauern. Und ich frage mich natürlich, ob es nicht vielleicht doch sinnvoller gewesen wäre, ihr die Summe, die die Beschaffung und der Transport gekostet haben, zu schicken, dass sie sich dort etwas besorgt. Aber ich kenne die Verhältnisse vor Ort nicht, und vielleicht ist es wirklich nicht so einfach. Jedenfalls halte ich das auch für eine Art, Hilfe zu leisten, dort, wo sie gebraucht wird. Fluchtursachen bekämpfen nennt das ganz abstrakt die Politik - den Menschen in den Ländern Möglichkeiten schaffen, ihren eigenen Lebensunterhalt zu erwirtschaften. (Ausbildungserlaubnisse für hier weilende Flüchtlinge würden auch dazu gehören, denn viele von ihnen möchten mit den erworbenen Kenntnissen ja irgendwann wieder zurück und in ihrer Heimat etwas aufbauen, aber das ist ein anderes Thema.) Das Schulgeld für die zwei Kinder der Empfängerin kostet € 60,- im Monat. Das übernehme ich jetzt auch. Weil ich will, dass beide, das ältere Mädchen und der kleinere Junge, in die Schule gehen können und nicht vorrangig der Mutter helfen müssen, den Lebensunterhalt zu verdienen.

Dienstag, 4. September 2018

Aufräumaktion

Ordnung halten zählt nicht zu meinen großen Stärken, meine Kernkompetenzen liegen in anderen Bereichen. Dass es sein muss, weiß ich zwar, aber theoretisches Wissen und praktische Durchführung klaffen da oft weit auseinander.
Seit ich das Stoff-Abo eingestellt habe, bin ich zwar regelmäßig im Färbekeller gewesen, schließlich steht dort die Waschmaschine, die ja auch für die Familienwäsche genutzt wird. Aber das große Aufräumen, das ich mir vorgenommen hatte, habe ich, eben weil ich es so ungern mache, immer wieder und weiter rausgeschoben.
Jetzt steht aber zum 1. Oktober der neue Berufsabschnitt an, und ich hatte mir geschworen, es darf nicht noch weiter rausgeschoben werden. Ich gebe zu, diese Einsicht und Absicht wurde wesentlich befeuert durch das freundliche HIlfsangebot aus einem sicheren Herkunftsland. Zu zweit geht es  einfacher von der Hand, und außerdem ist es deutlich schneller.
Zum Schutz meiner Persönlichkeitsrechte habe ich keine Fotos vom 'davor'-Zustand gemacht, um meinen Ruf nicht völlig zu ruinieren.
Aber jetzt sieht alles wieder gut aus:


Die Stoffe sind in den Kisten, ordentlicher als jemals zuvor.

Es gibt noch ungefärbte (von denen ich irgendwie ermitteln muss, ob sie alle
in Soda eingeweicht sind, oder vielleicht ein paar noch nicht, das ist alles möglich)
und gefärbte, die nochmal gefärbt werden sollen, und ein paar, die schon bedruckt sind,
aber eventuell noch weiter bearbeitet werden sollen.
Der Schrank war eigentlich immer ziemlich ordentlich, jetzt ist er aber ziemlich voll und trotzdem ordentlich.


Und natürlich sind auch einige Schätze aufgetaucht bzw. wieder in Erinnerung gerufen worden, die doch wieder Lust machen, endlich auch mal bei mir zu Hause mit dem Drucken anzufangen.


Mal sehen, wann und wie das ab Oktober möglich sein wird.

Dienstag, 28. August 2018

Reste, Reste, Reste


Für die Mitgliederzeitschrift der Patchworkgilde Deutschland hatte ich Anfang des Jahres einen geschichtlich orientierten Artikel aus dem Englischen übersetzt, in dem die Entstehung und Veränderung der „English Paper Piecing“ Methode beschrieben wurde. Früher hatte ich einige Hexagon-Quilts genäht, das war dann etwas eingeschlafen, wenngleich ich die Schablonen noch nicht entsorgt hatte.
Durch die Übersetzung ist die Faszination dieser Methode wieder neu entflammt. Nicht, dass meine Scraps-Orientierung je nachgelassen hätte, einen Stoffrest größer als 2cm2 kann ich nicht wegwerfen, und das farbliche Sortieren ist immer wieder eine Art Meditation. Auch das Daily-Art-Projekt„A Scrap a Day“ ist ein Beweis dafür, wie sehr ich mit Resten befasst bin.

Das gilt sogar auch für Wollreste – vor kurzem habe ich angefangen, ein Schultertuch aus den Resten der Sockenwolle meiner zahlreichen Sockenproduktionen zu stricken, das ein Mehrjahresprojekt zu werden verspricht.




Und dann natürlich die Beschäftigungsmöglichkeiten für den Urlaub – ausser dem Daily Art habe ich noch mehrere andere Resteverwertungsprojekte mitgenommen. Zum Beispiel immer Socken. Drei Paar sind schon fertig, das 4. ist angefangen.



Den neuen Wollwickler habe ich mitgenommen.


Und so puzzle ich vergnügt vor mich hin. Zum Beispiel seit ein paar Wochen die Drachen, die mit Streifen zum Sechseck werden sollen. Ursprünglich wollte ich nur Hemdenstoffe nehmen. Aber das hat sich natürlich alles mal wieder verselbständigt, mittlerweile sind alle möglichen anderen Streifenstoffe, und Hemdenstoffe sind eigentlich noch gar nicht soviele dabei. 


Bei Mama kann man außerdem auch in ihrem Vorrat suchen, sie hat garantiert andere Streifenstoffe als man selbst…



Des weiteren schneide ich große Dreiecke, kleine Dreiecke – alles hervorragende Möglichkeiten, in der Restekiste zu stöbern, Stoffstückchen hin und her zu schieben und immer mal wieder ein paar Stückchen zusammen zu nähen.