Freitag, 1. Juni 2018

Auf zu den Patchworktagen Celle

Am gestrigen Donnerstag bin ich früh morgens um 6 aus unserem Urlaubsdomizil am Ammersee abgereist. Nicht ohne Bedauern, denn ich hätte auch gerne noch länger bleiben können. Baden, ausruhen, den See genießen, manchmal zu unserem kleinen Segelboot fahren und den dortigen See ...
Aber die Pflichten als Internationale Repräsentantin der Patchwork Gilde Deutschland beinhalten die Anwesenheit bei den Patchworktagen.
Da ich dieses Mal für die Ausstellung der in Deutschland hergestellten Quilts für das 70,273-Projekt zuständig bin, führte mich mein Weg erst einmal über den Frankfurter Flughafen. Dort konnte ich Jeanne Hewell-Chambers, ihren Mann, The Engineer, und Peggy Thomas einsammeln, die extra für dieses Ausstellung nach Deutschland gekommen sind. Wegen des Feiertages und der überfüllten Züge gestaltete sich das Warten auf einen Sitzplatz im Zug etwas langwieriger als erwartet.



Aber es hat sich gelohnt, weil dann immerhin Sitzplätze im Zug zu kriegen waren. Unterwegs konnte ich dann die sachkundig aufgearbeiteten Fingernägel von Peggy ein bisschen näher betrachten, die ihre Manikuristin ihr vor solchen Ausstellungsreisen passend zum Motiv gestaltet.


Und am Abend waren wir glücklich in Celle angekommen.


Jeanne genießt 'German Potatoes', bei uns schlicht bekannt als Bratkartoffeln.
Wenn ich gewusst hätte, dass man sie damit so glücklich machen kann, hätte
ich ihr im vergangenen Sommer schon welche gemacht. Aber das kann ja nochmal
wieder möglich werden, hoffentlich.

Auch die Ausstellungsgegenstände sind angekommen.


Heute Nachmittag geht es an den Aufbau. Heute Abend ist Eröffnung, und morgen und Sonntag ist die Stadthalle geöffnet. Öffnungszeiten finden Sie hier.

Montag, 28. Mai 2018

Urlaub

Wir sind im Urlaub, ohne W-Lan, und das ist eine Erfahrung. Jetzt gerade an einem Hotspot, um E-Mails zu lesen, und dann wieder abzutauchen. Viel und lange schlafen,



 jeden Tag baden,



 manchmal segeln. Dann mit besonderen Aussichten.



  Ich bin schon sehr erholt.

Am Donnerstag geht es Richtung Norden zu den Patchworktagen in Celle, mit Stop in Frankfurt am Flughafen, um Jeanne Hewell-Chambers und Entourage aufzusammeln, die bei der Ausstellung der 70,273-Quilts anwesend sein wird. Ich freue mich drauf.


Mittwoch, 23. Mai 2018

Textil-Künstler Symposium

 Ganz allmählich fange ich an, mich von den Anstrengungen des Textil-Künstler-Symposiums der vergangenen Woche zu erholen. Hier habe ich schon ein bisschen auf dem englischen Blog berichtet, und inzwischen auch die Fotos hochgeladen, die vom Hotel aus am Abend des zweiten Tages nicht hochzuladen waren. Und danach bin ich nicht mehr dazu gekommen. Wir haben wirklich lange Stunden gearbeitet, und es war unbeschreiblich anstrengend. Glücklicherweise war ich von meinem Entwurf und dem Vorhaben insgesamt so überzeugt, dass keine Krisen und Selbstzweifel aufkamen, wie es sonst oft passiert, wenn ich mit mehr Muße an einem Quilt arbeite. Dazu war einfach nicht genügend Zeit.

Am dritten Tag konnte ich das Top kochen, um die stabilisierende Stickvlies-
Unterlage und das Avalon aufzulösen.

Der erste und zweite Tag waren eher warm, aber am dritten Tag fing es an zu regnen, so dass wir vom Bauhof der Stadt noch Heizpilze ins Zelt gestellt bekamen, wie sie sonst bei Restaurants auf den Außenbereichen zu finden sind. Die hatten wir auch wirklich nötig, denn morgens galt es, die Luftfeuchtigkeit wieder aus dem Zelt zu vertreiben. Wenn ich dann das Gefühl hatte, zwischen den zwei Pilzen gut gegrillt worden zu sein, denn ich habe in der Mitte des Zeltes gesessen und hatte einen vor mir und einen hinter mir, haben wir sie wieder ausgestellt.



Hier legt Angelika Hoegerl zum ersten Mal ihre Arbeit "Deckenspiegel" in ihrer ganzen Größe aus.



Und in diesem Zustand befindet sich, nachdem die Arbeit im Zelt beendet worden ist, derzeit mein Quilt. Fast fertig gequiltet, dann müssen die Fäden beschnitten werden und der Rand gemacht. Noch bin ich am Überlegen, ob ich ihn auf einen Keilrahmen ziehen werde oder nicht. Wir sind  aber erstmal in Urlaub gefahren, ich habe ihn nicht mitgenommen und versuche nun auszuschlafen und mich zu erholen.

text messages 18, work in progress

Bei der Präsentation am Sonntag: in der Mitte Angelika Hoegerl, rechts
Judith Siedenberger.


Es war eine tolle Erfahrung. Aber ich brauche noch ein paar Tage...

Montag, 14. Mai 2018

Textil-Kunst-Symposium im Anmarsch


In den letzten Tagen habe ich weiter an den Vorbereitungen für das heute beginnende Künstler-Symposium gearbeitet. Bis auf einen sind alle Artikel auf wasserlöslichen Film übertragen und liegen in der Mappe. Knapp die Hälfte der Artikel, die ich verwenden werde, sind schon auf den Stoff übertragen, entweder im Umriss, der beim Quilten noch gefüllt werden soll, oder schon gefüllt, da wird dann der Umriss das Quilten sein.
Diese Arbeit arbeitet auch in mir. Nun ist es ja nicht so, dass ich auf dem Gebiet noch eine besondere Sensibilisierung nötig hätte, ich glaube, ich habe in den letzten Jahren eine ausreichend intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Menschenrechte gehabt, jedenfalls intensiver, als das viele Menschen im Alltag durchmachen. Trotzdem ist noch immer ein anderer Aspekt möglich. Beim Schreiben der Artikel haben mir die Mitmachenden fast alle einen Hinweis gegeben, warum dieser eine Artikel für sie besonders wichtig ist. Dabei hatte ich für einige von ihnen den Artikel ausgesucht. Oder die Brasilianerin, die als letzte dran war, also schon nicht mehr bei ihrer Auswahl die vollständige Zahl der Artikel zur Verfügung hatte. Sie wählte den Artikel 15, der postuliert, dass jeder Mensch das Recht auf eine Staatsbürgerschaft habe, aber auch das Recht darauf, diese Staatsbürgerschaft zu wechseln. Als sie ihren deutschen Mann geheiratet hatte und nach einigen Jahren feststellte, dass es bürokratisch einfacher wäre, wenn sie nur eine Staatsbürgerschaft hätte und dies die deutsche sein sollte, erfuhr sie, dass Brasilien seinen eingeborenen Bürgern dieses Recht nicht zugesteht. Einmal Brasilianerin, immer Brasilianerin, bestenfalls im Rahmen einer doppelten Staatsbürgerschaft - die ja nun wiederum von deutschen Politikern mit populistischen Absichten als Loyalitätskonflikt und unerwünscht dargestellt wird.
Am Samstag war ich außerdem wenigsten nachmittags noch beim 2. Ostbayerischen Asylgipfel in Regensburg, wo Ehrenamtliche sich trafen, um sich auszutauschen und zu vernetzen. 





Dort sprach auch Thomas Lechner vom Bündnis „Gemeinsam für Menschenrechte und Demokratie“, wo er seinen Redebeitrag Ostermarsch München im März 2018 wiederholte. In dieser sprach er vor allem davon, wie sehr sein Leben in den letzten Jahren durch Kontakte zu Menschen aus anderen Kulturen bereichert worden ist. Natürlich wissen wir, dass nicht jeder, der zu uns gekommen ist, ein Freund werden wird. Aber auch nicht jeder Deutsch wird zum Freund - muss man sich dann wirklich fragen, ob ein dunkelhäutiger Mensch in der Schlange beim Bäcker ein IT-Experte ist oder illegal? Wie kommt es, dass jedem Illegalen unterstellt wird, er sei ein sogenannter Gefährder? Was machen die Politiker mit unserer Gesellschaft, wenn sie solche Bemerkungen absetzen? Beim Bäcker sehe ich den Menschen, der Backwaren kaufen will, und im angeblichen urchristlichen Gebet, dem Vaterunser, heißt es, ‚unser täglich Brot gib uns heute‘. Das gilt für ausländische Fachkräfte, und für illegal eingereiste. Es sind Menschen, die Rechte haben, und denen zu ihrem täglichen Brot zu verhelfen Aufgabe des angeblich so christlich geprägten Landes gehören sollte…

Ich bin gespannt, was mir die kommende Woche bringen wird, wenn ich in der Öffentlichkeit mit Menschenrechten und Stoff zugange sein werde.

Dienstag, 8. Mai 2018

Where have all the hours gone...?


In den letzten  zwei Wochen habe ich bestimmt fünf verschiedene Blog-Einträge geschrieben. Im Kopf, mit schönen Fotos und tollen Formulierungen, alles fertig. Nur digital verwirklicht worden sind sie irgendwie nicht, und darüber in aller Länge zu schreiben bringt gar nichts. Es waren intensive Wochen - mit einer wichtigen Entscheidung, die immerhin dazu geführt hat, dass allmählich das Stressgefühl ein wenig nachlässt.
Ich habe intensiv daran gearbeitet, meine handgeschriebenen Artikel der Menschenrechtserklärung zu sammeln, und bin auch mit der Planung weitergekommen. Und habe bereits einige Stunden daran gearbeitet, die Schriftstücke auf den Stoff zu übertragen. Denn das Symposium rückt näher - am Sonntag reisen bereits die beiden anderen Künstlerinnen an (Angelika Hoegerl und  Judith Siedersberger), Montagvormittag wird aufgebaut, und am Montagnachmittag geht es dann los. Hoffentlich spielt das Wetter mit - es wäre natürlich für uns wunderbar, wenn es einfach noch eine Woche so schön warm bliebe, wie es in den letzten Tagen und Wochen war. Für Gärtner ist es natürlich mit der Trockenheit gar nicht so schön - zwischendurch kam die Meldung, dass der April der wärmste und regenärmste April seit Beginn der Wetteraufzeichnungen war… und viele andere beunruhigende Nachrichten aus allen möglichen Teilen der Welt…
Am vergangenen Wochenende war ich auf der Nadelwelt in Karlsruhe. 


Von meinen zwei Kursen hat nur einer - text(ing) - stattgefunden, der IQ ist wegen zu geringer Anmeldezahlen ausgefallen. Das hat dazu geführt, dass seit längeren Jahren mal wieder die Nadelwelt für mich zu einer relativ entspannten Veranstaltung wurde. Einen Tag unterrichten, einen halben Tag bei der Handspinngilde mit am Schäferwagen spinnen, ein bisschen ‚shoppen‘ (nur Wolle, und Papier-Schablonen, um wieder intensiver ins Lieseln einzusteigen) und anschließend bei den Eltern auf der Terrasse abhängen, 


abends SAQA-Treffen, 


und dann einen ruhigen Durchgang durch die Ausstellungen am Sonntagvormittag, bevor ich wieder nach Hause gefahren bin. Kein Kistenschleppen, kein Stress zwischen den Händlern beim Auf- und Abbau, nette Leute treffen… richtig schön war das!
Gestern ging es nochmal um das Sortieren und zum Weiterverarbeiten von Quilts, Tops und Blöcken für the 70,273-Project, denn die Ausstellung in Celle rückt näher. Wir haben soviele Quilts aus Deutschland, dass wir gar nicht alle werden zeigen können. Es wird bestimmt eine sehr eindrückliche Veranstaltung.
Heute habe ich dann eine dicke Ladung Unterrichtsstunden mit den Flüchtlingen gemacht, weil ich ja die nächste Woche nicht zum Unterrichten kommen werde, morgen noch ein bisschen, und dann kann das Denken schon wesentlich weiter in Richtung Symposium gehen.

Sonntag, 22. April 2018

Vorbereitungen: Künstlersymposium


Nach meiner Rückkehr aus Frankreich musste ich im Anschluss gleich an zwei Tagen unterrichten. Die konnte ich allerdings auch gut dafür nutzen, meine Vorbereitungen für das bevorstehende große Ereignis im Mai zu intensivieren.
Das große Ereignis ist die Teilnahme am Künstlersymposium während des Kultursommerfestivals ‚Mitanand‘ (=Baierisch für ‚miteinander‘), d.h. eigentlich in der Woche vor dem Festival. Dieses Jahr werden Textilkünstler eingeladen, und das liegt an einer Bemerkung, die ich beim vorigen Durchgang (das Symposium findet alle zwei Jahre statt) dem Organisator gegenüber etwas flapsig fallen ließ ‚Dann könnten nächstes Mal doch eigentlich die textilen Künstler dran sein!‘ 
Das hat er tatsächlich ernst genommen, und ich habe es sogar einen Tag vor Ablauf der Bewerbungsfrist geschafft, meine Unterlagen einzureichen. Das war am Abend bevor ich auf die h&h gefahren bin, währender derer ich nicht wirklich dazu gekommen bin, meine Mails durchzulesen, und als ich am Montag nach Hause kam und die Mail von Hubert entdeckte ‚bitte nochmal schicken, kann Deinen Anhang nicht öffnen!‘ sah ich schon alle meine Felle davon schwimmen. Denn dass gleich an dem Wochenende ausgewählt werden sollte, das wusste ich. Also befürchtete ich, durch das Raster gefallen zu sein.
Aber seine computerkundige Frau hatte mein Dokument doch öffnen können, am Dienstag früh hatte ich die Nachricht, dass ich ausgewählt worden sei, und seitdem bin ich dabei, gedanklich und organisatorisch mein Projekt, das ich in einer kurzen Skizze in der Bewerbung angedeutet hatte, vorzubereiten.
Passend zu meiner intensiven Beschäftigung mit Flüchtlingen und deren Lebensumständen wird es ein Projekt sein, dass sich mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte auseinandersetzt, und dafür sammle ich derzeit verschiedene handschriftliche Versionen einiger der Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Auf dieser Seite gibt es Übersetzungen der Erklärung in andere Sprachen. Der Quilt wird also ein weiterer in der Serie text messages sein.
Einige meiner Schüler/innen haben sich sofort bereit erklärt, mitzumachen, und die Vielzahl der unterschiedlichen Schriften und Sprachen (jede Person schreibt den entsprechenden Text in ihrer eigenen Sprache) ist beeindruckend. 

Hier entsteht eine Thai-Handschrift für meinen Symposiums-Quilt.
Im Hintergrund die Hände, die auf Fula geschrieben haben.

Selbstverständlich sind nicht nur Flüchtlinge beteiligt, es geht mir darum, auch die Vielfalt der in unserer Stadt lebenden Menschen zu dokumentieren, unabhängig vom Status Flüchtling oder EU-Bürger oder wo auch immer sie herkommen.
Mittlerweile habe ich fast alle Versionen zusammen und kann anfangen, die Texte zu vergrößern. Ich habe eine besonders große Rolle wasserlösliches Vlies bestellt, mit dessen Hilfe das Maschinensticken auf dem Stoff stabilisiert wird. Und ich habe bereits angefangen, einige der für mich zentralen Formulierungen der Präambel auf den Stoff zu bringen. 


Sie sollen in einer Art Hintergrundrauschen den Tenor der ganzen Erklärung, der in der Präambel schon enthalten ist, ausdrücken. Und wenn man immer wieder mit der Maschine 'recognition of the inherent dignity and equal and inalienable rights of all the members of the human family' schreibt, oder 'freedom of speech and belief and freedom from fear and want', dann entwickelt man nochmal eine ganz besondere Beziehung zu den Worten des Textes. (Die Präambel-Formulierungen verwende ich auf Englisch, weil mir gerade diese zentralen Formulierungen auf Englisch besonders gut gefallen.) Es ist wirklich ein wunderbarer Text.
Alle, die ich gebeten habe, mitzumachen, staunen darüber, warum sie selbst sich noch nicht intensiver mit dem Text auseinandergesetzt haben. Vielleicht ist das eines der Probleme der heutigen Welt - wir haben diese wunderbare Vereinbarung, und kaum einer kennt sie richtig...?

Eigentlich ganz gut, dass ich in der kommenden Woche nicht unterrichten muss, weil die Klasse im Praktikum ist. Ich befürchte nämlich, dass die eine Woche, die wir in der Öffentlichkeit arbeiten sollen, vielleicht nicht reichen wird, und deshalb möchte ich deutlich vorgearbeitet haben, wenn wir anfangen. Damit es wenigstens annähernd fertig wird.