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Mittwoch, 23. Mai 2018

Textil-Künstler Symposium

 Ganz allmählich fange ich an, mich von den Anstrengungen des Textil-Künstler-Symposiums der vergangenen Woche zu erholen. Hier habe ich schon ein bisschen auf dem englischen Blog berichtet, und inzwischen auch die Fotos hochgeladen, die vom Hotel aus am Abend des zweiten Tages nicht hochzuladen waren. Und danach bin ich nicht mehr dazu gekommen. Wir haben wirklich lange Stunden gearbeitet, und es war unbeschreiblich anstrengend. Glücklicherweise war ich von meinem Entwurf und dem Vorhaben insgesamt so überzeugt, dass keine Krisen und Selbstzweifel aufkamen, wie es sonst oft passiert, wenn ich mit mehr Muße an einem Quilt arbeite. Dazu war einfach nicht genügend Zeit.

Am dritten Tag konnte ich das Top kochen, um die stabilisierende Stickvlies-
Unterlage und das Avalon aufzulösen.

Der erste und zweite Tag waren eher warm, aber am dritten Tag fing es an zu regnen, so dass wir vom Bauhof der Stadt noch Heizpilze ins Zelt gestellt bekamen, wie sie sonst bei Restaurants auf den Außenbereichen zu finden sind. Die hatten wir auch wirklich nötig, denn morgens galt es, die Luftfeuchtigkeit wieder aus dem Zelt zu vertreiben. Wenn ich dann das Gefühl hatte, zwischen den zwei Pilzen gut gegrillt worden zu sein, denn ich habe in der Mitte des Zeltes gesessen und hatte einen vor mir und einen hinter mir, haben wir sie wieder ausgestellt.



Hier legt Angelika Hoegerl zum ersten Mal ihre Arbeit "Deckenspiegel" in ihrer ganzen Größe aus.



Und in diesem Zustand befindet sich, nachdem die Arbeit im Zelt beendet worden ist, derzeit mein Quilt. Fast fertig gequiltet, dann müssen die Fäden beschnitten werden und der Rand gemacht. Noch bin ich am Überlegen, ob ich ihn auf einen Keilrahmen ziehen werde oder nicht. Wir sind  aber erstmal in Urlaub gefahren, ich habe ihn nicht mitgenommen und versuche nun auszuschlafen und mich zu erholen.

text messages 18, work in progress

Bei der Präsentation am Sonntag: in der Mitte Angelika Hoegerl, rechts
Judith Siedenberger.


Es war eine tolle Erfahrung. Aber ich brauche noch ein paar Tage...

Dienstag, 22. April 2014

Upcycling aus der Krise

Mein Quilterinnenleben wird in ziemlich regelmäßigen Abständen von heftigen Krisen begleitet. Die können entstehen, wenn die Wetterlage schlecht ist (was in diesem Winter erfreulicherweise kaum ein Problem war), oder wenn eine Idee, die ich mir in den Kopf gesetzt hatte, nicht wirklich zu funktionieren scheint, oder wenn ich mal wieder irgendwo abgelehnt worden bin. Oder einfach mal so zwischendurch – was mache ich hier eigentlich, was soll das, wohin soll das führen, ist Quilten mit künstlerischem Anspruch nicht sowieso völlig hirnverbrannt?
Vielleicht kommt das ja daher, dass ich schon aus einer Lebenskrise heraus so intensiv mit dem Quilten angefangen habe. Denn als mir endgültig klargeworden war, dass mein ziemlich gut bezahlter Job an der Uni auf Dauer nicht die Erfüllung bringen würde, die ich mir von beruflichem Tun erhoff(t)e, war erstmal guter Rat teuer. Zu hochqualifiziert für alles, aber letztendlich nicht wirklich etwas Vernünftiges gelernt, mit dem ich mir eine neue Stelle hätte suchen können, da schien die Aussicht, den ganzen Tag kreativ sein zu können, Kunst zu machen, hin und wieder mal einen Workshop zu unterrichten, sehr verlockend. Dass ich damit nicht reich werden, nicht einmal ansatzweise meinen Lebensunterhalt würde verdienen können, war mir zwar klar, aber mein Mann hat es von Anfang an aus voller Kraft unterstützt. (Wieviel es mir irgendwann ausmachen würde, nicht mehr selbst ein sattes Einkommen mit nach Hause zu bringen, konnte ich mir damals überhaupt nicht vorstellen und letztendlich ist das eine andere Geschichte – spielt aber vielleicht auch ein bisschen in die Krisen mit hinein?)
Nach meiner Rückkehr aus Prag hatte ich jedenfalls eine heftige Krise. Meine Idee für die Wide Horizons, die ich am letzten Tag in Prag nach Abschluss meiner Materialsammlung am Stand skizziert hatte, hatte ich zwar mit Riesenelan angefangen, war dann aber ganz schnell an Hindernisse und Grenzen gestossen, die mir deutlich machten, diese Idee ist entweder noch bei weitem nicht ausgereift, oder aber vielleicht völlig untauglich. Da wollte ich eigentlich mal wieder hinschmeißen.
Im Gespräch mit meinem Mann entstand noch eine ganz andere Idee, die auch trotz des langsam zunehmenden Termindrucks noch realisierbar ist, und ich konnte damit anfangen, werde sie auch fertig bekommen, und der wird auf jeden Fall gut. (Außerdem passt er auch in die Ausstellung im Oktober, sollte er nicht für die Wide Horizons ausgewählt werden.)


Im Hintergrund schwelte die Krise aber doch irgendwie weiter, und eine schon seit längerem geplante Fahrt zu einem Besuch bei meinen Eltern war eine willkommene Abwechslung. Waldspaziergänge inklusive!
Keine Gedanken ans Quilten verschwenden – nur ein Strickzeug mitnehmen... 

Alles andere als unkompliziert... das wird aber mal ein eigener Post!

Ein schöner geplanter Ausfluge mit meinem Sohn scheiterte dann allerdings an disziplinarischen Umständen – nicht gerade stimmungsfördernd für die dann allein durch Karlsruhe ziehende Mutter. Nicht mal richtig Lust auf einen Museumsbesuch hatte ich, daran kann man ermessen, wie mies ich drauf war.
Die Rettung kam am letzten Abend unseres Aufenthaltes dort, als ich eine E-mail von einer guten Freundin aus Neuseeland bekam, die für ihr neues Enkelkind eine Babydecke haben wollte, und um Rat bat, welchen meiner fertigen Quilts ich dafür für geeignet halte. Ich habe überhaupt keine Probleme damit, Quilts von mir, die irgendwie keinen ‚bleibenden’ Platz an einer Wand gefunden haben, irgendwann in Decken oder Ähnliches umzuwandeln. Letztes Jahr habe ich einen meiner älteren Quilt, der allerdings auch keinen besonders hohen künstlerischen Anspruch erfüllte, für ein neues Adoptivkind  durch Nachspuren der Quiltlinien waschmaschinenfest und funktionsfähig gemacht. 


Und dieses Jahr habe ich einen anderen Quilt zerschnitten und vier Kissenhüllen daraus genäht. (Und in dieser Form halte ich ihn für gelungener als vorher.) Das Modern Quilt Movement ist ja darauf aus, zeitgenössiches Quilts mit Funktionalität hervorzubringen, vielleicht liege ich damit im Trend?
Eine Babydecke hatte ich nun nicht gerade nur so rumliegen, und die zwei zur Zeit fertigen Decken sind alle beide ‚groß’.



Meinem Sohn wollte ich auch nicht zumuten, einen Teil der Blöcke, die für eine Decke für ihn schon fertig sind, herzugeben und dementsprechend länger auf die Fertigstellung seiner Decke zu warten, an deren Musterlegung er schon eifrig gearbeitet hatte:


Also habe ich innerlich meine Quilt-Lager durchgesehen, einen aus dem Jahr 2005 wiederentdeckt, und ihn meiner Bekannten vorgeschlagen.


Sie war begeistert, und so habe ich ihn etwas kleiner geschnitten. Eine zusätzliche Lage Batting und eine neue Rückseite, einige Quiltlinien hinzugefügt, und einen Rand drum – die Arbeit eines Tages, sehr befriedigend! Upcycling nennt sich das wohl auf Neudeutsch. 




Es gibt einfach nichts Besseres, als an einer Babydecke zu arbeiten, um sich aus einer Quiltkrise herauszuholen. Da macht man etwas, das wirklich sinnvoll ist, kann seinen eigenen künstlerischen Ansprüchen entsprechen und genügen (oder so etwas Komisches völlig außer Acht lassen) und sich nur am Nähen erfreuen.

Das heißt nicht, dass die nächste Krise damit abgewendet wäre. Aber nachdem man gerade eine schöne Babydecke auf die Post gebracht hat, kommt es einem jedenfalls so vor, als ob diese nächste Krise erstmal ganz weit weg sein muss.

Ergänzung am 23.4. Regina, hier ist ein Bild von der fertigen Decke, um zu zeigen, dass der Quilt immer noch schön ist:


Freitag, 3. Februar 2012

QuiltArt at 25 in der Textilsammlung Max Berk


Mein Sohn hatte vor einer Weile den Wunsch geäußert, mal wieder zu seinen Großeltern zu fahren. Kurz darauf hatte mein Mann angekündigt, dass er Ende Januar ein ganzes Wochenende so mit Arbeit zugekleistert wäre, dass es eigentlich besser wäre, wenn wir Restfamilie uns da etwas ausdächten, um weg zu sein. Das beides ließ sich dann ganz gut kombinieren, und mein Sohn und ich fuhren zu meinen Eltern in die Nähe von Karlsruhe. Da an mich von Seiten meines Sohnes außerdem noch der Wunsch ergangen war, ihn doch bitte auch ziemlich lange mit den Großeltern allein zu lassen, habe ich die Gelegenheit genutzt, um mir einen schönen Ausstellungstag zu machen. Praktischerweise war die Jubiläums-Ausstellung der QuiltArt-Gruppe, „QuiltArt at 25“ in der Textilsammlung Max Berk in Heidelberg-Ziegelhausen gerade vorher noch verlängert worden, so dass sich die Gelegenheit bot, mir diese Ausstellung anzuschauen.


Öffentlich ist das Museum gut zu erreichen – sogar noch besser, als es auf der Homepage vermerkt ist. Denn es stimmt zwar, dass der Bus 33 direkt vom Hauptbahnhof abfährt und vor dem Museum an der Haltestellte Brahmsstraße hält, allerdings gibt es außerdem noch einen S-Bahnhof direkt gegenüber auf der anderen Seite des Neckar. Ich könnte mir vorstellen, dass es, je nach Verbindung, schneller sein könnte, am Hauptbahnhof Heidelberg in die entsprechende S-Bahn zu steigen, als mit dem Bus fast 30 Minuten lang durch den Heidelberger Verkehr zu juckeln. Das wollte ich auf der Rückfahrt noch selbst ausprobieren, allerdings rollte mir gerade der Bus vor die Füße, als ich aus dem Museum trat, und den wollte habe ich dann doch nicht auf Vermutungen hin vor meiner Nase wegfahren lassen. Insgesamt war die Anfahrt vom Wohnort meiner Eltern aus zwar schon ein wenig langwierig, aber ich muss sagen, dass es sich auf jeden Fall voll und ganz gelohnt hat.
Das Museum kannte ich – fast sträflicherweise, muss man eigentlich sagen – bisher nur vom Hörensagen, noch nicht aus eigenem Augenschein. Untergebracht ist es in einer umgewandelten evangelischen Kirche aus dem 18. Jahrhundert und dem direkt daran anschließenden Pfarrhaus. Mit original Türbeschlägen!


Schon beim Reingehen empfangen einen etliche Druckmodel:



Da der Dachstuhl der Kirche ebenfalls für den Museumsbetrieb geöffnet und ausgebaut wurde, ist im ehemaligen Kirchengebäude selbst auf drei Etagen – Kirchenschiff, Empore, und unter dem Dach – Ausstellungsfläche vorhanden.
Die Ausstellung ist großzügig gehängt, und man hat viel Platz zum Schauen, weil es eben auch möglich ist, von einer Emporenseite auf die andere hinüber- oder von der Empore in das Kirchenschiff hinunterzuschauen. Wenn man unbedingt etwas finden will, das man kritisieren könnte, könnte die Beleuchtung etwas besser sein, aber da in diesem Museum ja fast ausschließlich lichtempfindliche Textilien gezeigt werden, ist das vielleicht gar nicht im Sinne der Ausstellungsstücke.
Ich war wirklich begeistert von der ganzen Ausstellung, bei der mich fast jedes einzelne Stück besonders angesprochen hat, und es erscheint unfair, jetzt eines der ausgestellten Stücke vor den anderen herauszustellen. Und doch hatte ich natürlich drei (eigentlich vier) persönliche Favoriten (ohne dass das eine wertende Aussage über die anderen ausgestellten Werke sein soll): Dirkje van der Horst-Beetsmas „Friesische Landschaft“, ein fünfteiliges Textilgemälde, das auf eindrückliche Weise die Weite des friesischen Himmels über dem grün-braunen Land vermittelt, und Mirjam Pet-Jacobs’ Werke aus ihrer Mimi-Serie, und Sara Impeys "Process". Fotografieren durfte man nicht, deshalb hier nur Abbildungen aus dem Katalog, der für €20 erhältlich ist.

Vorderseite des Katalogs
Abbildung im Katalog:
Dirkje van der Horst-Beetsma: Frisian Landscape

Abbildung im Katalog: Mirjam Pet-Jacobs:
rechts: Change or Accept,
links: And Again 'The nights are white and black the days'

Abbildung im Katalog:
Sara Impey: Process

Detailaufnahme von Sara Impey

Alles in allem: Artquilts vom Feinsten! Wirklich sehenswert.
Die Verlängerung der Ausstellung dauert noch bis 18. März 2012. Öffnungszeiten des Museums sind Mittwoch, Samstag und Sonntag von 13 bis 18 Uhr, vorangemeldete Gruppen können auch zu anderen Terminen kommen.

Freitag, 13. Mai 2011

Color Improvisations in Karlsruhe eröffnet

Am vergangenen Sonntagnachmittag war, wie angekündigt, die Eröffnung von „Color Improvisations“ in Karlsruhe. Kuratiert von Nancy Crow und in Europa von Ginie Curtze betreut, war sie nach der Eröffnung in Stuttgart im vergangenen Juli dieses Jahr im März bereits für einige Tage in Verona zu sehen. Die Ausstellung findet im Regierungspräsidium Karlsruhe am Rondellplatz statt und ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln hervorragend zu erreichen (Haltestelle Marktplatz oder Kongresszentrum).
Gemeinsam mit der Ausstellung „Quilts von Schweden bis Israel“ haben die großformatigen Quilts der internationalen Wanderausstellung knapp 1500qm Schaufläche und kommen in diesem großzügigen Rahmen hervorragend zur Geltung.


Organisatorin Ginie Curtze bei der Begrüßung der Gäste


Blick in die Ausstellung

Blick in die Ausstellung

Blick in die Ausstellung
Von oben herab:
Blick aus dem zweiten Stock
in die parallel gezeigte Ausstellung
"Quilts von Schweden bis Israel"


Trotz strahlend schönen Sonnenscheins konnte der Direktor des Regierungspräsidiums, Wolfgang Lerch, im Vortragssaal zur Eröffnungsfeier vor vollkommen gefüllten Sitzreihen beweisen, dass er im Rahmen der Vorbereitungen ein umfangreiches Wissen über Geschichte und Herstellung von Quilts gewonnen hatte. Die Erste Bürgermeisterin der Stadt Karlsruhe, Margret Mergen begrüßte im Namen der Stadt, und Prof. Dr. Annette Bernards hielt einen Festvortrag über „Frauen und Kreativität“.

Die Ausstellung ist noch bis 12. Juni von Dienstag bis Sonntag geöffnet. In den nächsten Wochen wird im Rahmen der in Karlsruhe neu etablierten Textil-Fachmesse ‚Nadelwelt’ ein umfangreiches Kursangebot stattfinden, außerdem ist das nahe gelegene Kongresszentrum Ort der Verkaufsmesse vom 27. bis 29. Mai.


Weiter Fotos können hier angesehen werden.