Mein Sohn hatte vor einer Weile den Wunsch geäußert, mal
wieder zu seinen Großeltern zu fahren. Kurz darauf hatte mein Mann angekündigt,
dass er Ende Januar ein ganzes Wochenende so mit Arbeit zugekleistert wäre,
dass es eigentlich besser wäre, wenn wir Restfamilie uns da etwas ausdächten,
um weg zu sein. Das beides ließ sich dann ganz gut kombinieren, und mein Sohn
und ich fuhren zu meinen Eltern in die Nähe von Karlsruhe. Da an mich von
Seiten meines Sohnes außerdem noch der Wunsch ergangen war, ihn doch bitte auch
ziemlich lange mit den Großeltern allein zu lassen, habe ich die Gelegenheit
genutzt, um mir einen schönen Ausstellungstag zu machen. Praktischerweise war
die Jubiläums-Ausstellung der QuiltArt-Gruppe, „QuiltArt at 25“ in der Textilsammlung Max Berk in Heidelberg-Ziegelhausen gerade vorher noch verlängert
worden, so dass sich die Gelegenheit bot, mir diese Ausstellung anzuschauen.
Öffentlich ist das Museum gut zu erreichen – sogar noch
besser, als es auf der Homepage vermerkt ist. Denn es stimmt zwar, dass der Bus
33 direkt vom Hauptbahnhof abfährt und vor dem Museum an der Haltestellte Brahmsstraße
hält, allerdings gibt es außerdem noch einen S-Bahnhof direkt gegenüber auf der
anderen Seite des Neckar. Ich könnte mir vorstellen, dass es, je nach
Verbindung, schneller sein könnte, am Hauptbahnhof Heidelberg in die
entsprechende S-Bahn zu steigen, als mit dem Bus fast 30 Minuten lang durch den
Heidelberger Verkehr zu juckeln. Das wollte ich auf der Rückfahrt noch selbst
ausprobieren, allerdings rollte mir gerade der Bus vor die Füße, als ich aus
dem Museum trat, und den wollte habe ich dann doch nicht auf Vermutungen hin
vor meiner Nase wegfahren lassen. Insgesamt war die Anfahrt vom Wohnort meiner
Eltern aus zwar schon ein wenig langwierig, aber ich muss sagen, dass es sich
auf jeden Fall voll und ganz gelohnt hat.
Das Museum kannte ich – fast sträflicherweise, muss man
eigentlich sagen – bisher nur vom Hörensagen, noch nicht aus eigenem
Augenschein. Untergebracht ist es in einer umgewandelten evangelischen Kirche
aus dem 18. Jahrhundert und dem direkt daran anschließenden Pfarrhaus. Mit
original Türbeschlägen!
Schon beim Reingehen empfangen einen etliche Druckmodel:
Da der Dachstuhl der Kirche ebenfalls für den Museumsbetrieb
geöffnet und ausgebaut wurde, ist im ehemaligen Kirchengebäude selbst auf drei
Etagen – Kirchenschiff, Empore, und unter dem Dach – Ausstellungsfläche
vorhanden.
Die Ausstellung ist großzügig gehängt, und man hat viel
Platz zum Schauen, weil es eben auch möglich ist, von einer Emporenseite auf
die andere hinüber- oder von der Empore in das Kirchenschiff hinunterzuschauen.
Wenn man unbedingt etwas finden will, das man kritisieren könnte, könnte die
Beleuchtung etwas besser sein, aber da in diesem Museum ja fast ausschließlich
lichtempfindliche Textilien gezeigt werden, ist das vielleicht gar nicht im
Sinne der Ausstellungsstücke.
Ich war wirklich begeistert von der ganzen Ausstellung, bei
der mich fast jedes einzelne Stück besonders angesprochen hat, und es erscheint
unfair, jetzt eines der ausgestellten Stücke vor den anderen herauszustellen.
Und doch hatte ich natürlich drei (eigentlich vier) persönliche Favoriten (ohne dass das
eine wertende Aussage über die anderen ausgestellten Werke sein soll): Dirkje
van der Horst-Beetsmas „Friesische Landschaft“, ein fünfteiliges Textilgemälde,
das auf eindrückliche Weise die Weite des friesischen Himmels über dem
grün-braunen Land vermittelt, und Mirjam Pet-Jacobs’ Werke aus ihrer
Mimi-Serie, und Sara Impeys "Process". Fotografieren durfte man nicht, deshalb hier nur Abbildungen aus
dem Katalog, der für €20 erhältlich ist.
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Vorderseite des Katalogs |
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Abbildung im Katalog: Dirkje van der Horst-Beetsma: Frisian Landscape |
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Abbildung im Katalog: Mirjam Pet-Jacobs: rechts: Change or Accept, links: And Again 'The nights are white and black the days' |
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Abbildung im Katalog: Sara Impey: Process |
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Detailaufnahme von Sara Impey |
Alles in allem: Artquilts vom Feinsten! Wirklich sehenswert.
Die Verlängerung der Ausstellung dauert noch bis 18. März
2012. Öffnungszeiten des Museums sind Mittwoch, Samstag und Sonntag von 13 bis
18 Uhr, vorangemeldete Gruppen können auch zu anderen Terminen kommen.
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