Montag, 10. September 2018

Eine Nähmaschine für Afrika


Immer wieder bekomme ich Post von Organisationen, die mich überzeugen wollen, für verschiedene wohltätige Zwecke zu spenden. Natürlich bin ich dafür, solche großangelegten Projekte zu unterstützen. Und so einen Aufruf wie den von Plan halte ich natürlich für sehr wichtig, ihn zu unterstüzten konnte ich mich irgendwie noch nie aufraffen.



Die Aktion mit dem Knit-Along für einen guten Zweck hingegen, wo kleine Hilfsprojekte unterstützt werden, oder direkt persönliche Hilfen für Menschen, die von den großen Organisationen vielleicht nicht erreicht werden, sprechen mich eher an.
Einer meiner afrikanischen Schüler aus dem ersten Jahr an der Krankenpflegeschule, mit dem ich nach wie vor Kontakt halte, hatte mitbekommen, dass ich viel mit Nähmaschinen und dem ganzen Drumherum zu tun habe. Also hat er mich vor kurzem angesprochen, ob ich ihm helfen könnte, eine Nähmaschine zu besorgen, die er seiner Schwester nach Afrika schicken wollte. Dieser Schwester schickt er bisher jeden Monat von seinen wenigen Euro, die er als abgelehnter Asylbewerber erhält, etwas Geld, weil sie mit zwei Kindern im Grundschulalter von ihrem Mann verlassen worden ist und jetzt irgendwie über die Runden kommen muss. Sie wollte gerne mit einer Nähmaschine anfangen, für andere Leute auf Rechnung Kleidung zu nähen, aber es ist auch in Afrika nicht so einfach, an eine Nähmaschine zu kommen.
Das ist natürlich ein Gebiet, auf dem ich helfen kann. Von meinen eigenen Maschinen konnte ich keine hergeben – es darf nicht zu computerisiert sein, und die alte Bernina, die liebe ich so sehr, dass ich  mich nicht von ihr trennen kann. Außerdem ist sie leider eines von den Modellen, das davon betroffen ist, dass es nach dem Brand im Bernina-Lager bald keine Ersatzteile mehr geben wird, so etwas schickt man dann nicht nach Afrika. Mein wunderbarer Händler, Nähmaschinen Gruber in Geisenhausen, allerdings wusste Rat – er hat eine Pfaff-Maschine, die er bei sich stehen hatte, durchgesehen und instandgesetzt. Nadeln und Spulen hat er dazugegeben, denn als ich ihm alles erklärt hatte, wofür ich so eine Maschine bräuchte – schließlich kennt er mich und meine Maschinenaktivitäten, die, außer der Longarm, alle über ihn laufen – hat er beschlossen, die Sache von seiner Seite aus auch zu unterstützen. Am Schluss hat er mir nur den halben üblichen Preis, der für diese Maschine im Internet verlangt wird, berechnet, uns viel Erfolg gewünscht, und wir sind mit dem guten Stück losgezogen, um es seinem neuen Leben zuzuführen.


Garne, die ich von einer Frau, die mit dem Patchwork aufgehört hat, geerbt hatte, und einige Stücke Stoff habe ich auch noch dazugepackt. Und inzwischen ist das Maschinchen unterwegs. So ungefähr einen Monat bis 6 Wochen soll der Container brauchen, bis er im Senegal ankommt, und bis die Maschine dann bei der Empfängerin ist, kann es nochmal ein bisschen dauern. Und ich frage mich natürlich, ob es nicht vielleicht doch sinnvoller gewesen wäre, ihr die Summe, die die Beschaffung und der Transport gekostet haben, zu schicken, dass sie sich dort etwas besorgt. Aber ich kenne die Verhältnisse vor Ort nicht, und vielleicht ist es wirklich nicht so einfach. Jedenfalls halte ich das auch für eine Art, Hilfe zu leisten, dort, wo sie gebraucht wird. Fluchtursachen bekämpfen nennt das ganz abstrakt die Politik - den Menschen in den Ländern Möglichkeiten schaffen, ihren eigenen Lebensunterhalt zu erwirtschaften. (Ausbildungserlaubnisse für hier weilende Flüchtlinge würden auch dazu gehören, denn viele von ihnen möchten mit den erworbenen Kenntnissen ja irgendwann wieder zurück und in ihrer Heimat etwas aufbauen, aber das ist ein anderes Thema.) Das Schulgeld für die zwei Kinder der Empfängerin kostet € 60,- im Monat. Das übernehme ich jetzt auch. Weil ich will, dass beide, das ältere Mädchen und der kleinere Junge, in die Schule gehen können und nicht vorrangig der Mutter helfen müssen, den Lebensunterhalt zu verdienen.

Kommentare:

  1. Super, wenn du noch mal Stoffe oder Garne oder etwas Anderes brauchst, melde dich doch mal. Ich helfe gerne. Gruß Heide

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    1. Vielen Dank, Heide, ich werde daran denken. Im Moment ist allerdings erstmal noch nichts geplant.

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