Ende Mai/Anfang Juni verbrachte ich einige Tage mit meiner
Familie auf der nordfriesischen Insel Föhr.
Beim Durchstöbern der verschiedenen Programm-Vorschauen
entdeckte ich diverse Aktivitäten zu „The Föhr Reef“. Erst dachte ich, dabei handele es sich auch um eine Art
Guerilla Knitting, oder eine besondere Anspielung auf die Selbst-Werbung der Insel, die sich gerne "die friesische Karibik" nennt. Aber genauere Recherchen belehrten mich eines anderen. Die erste Erklärung fand ich in einem Artikel für Kinder in einer der Inselzeitschriften:
Das gehäkelte Föhrer Korallenriff ist Teil eines internationalen Kunstprojektes, ausgehend vom Institute for Figuring, das das hyperbolische Häkeln zur Herstellung bewusstseinsbildender Kunstwerke nutzen will. (Dazu gibt es auch einen Blog, allerdings war dieser, als ich ihn jetzt ‚entdeckte’, seit mehr als einem Jahr nicht mehr mit neuen Posts versehen worden.)
Das gehäkelte Föhrer Korallenriff ist Teil eines internationalen Kunstprojektes, ausgehend vom Institute for Figuring, das das hyperbolische Häkeln zur Herstellung bewusstseinsbildender Kunstwerke nutzen will. (Dazu gibt es auch einen Blog, allerdings war dieser, als ich ihn jetzt ‚entdeckte’, seit mehr als einem Jahr nicht mehr mit neuen Posts versehen worden.)
Die Idee mit dem „hyperbolischen Häkeln“ hatte ich als ca.
12-jährige auch mal gehabt, allerdings ohne zu wissen, dass es sich dabei um so
etwas wie die angeblich unmögliche Darstellung eines bis dahin den
Mathematikern nicht mal ganz klargewordenen Raummodells handelte. Ich habe
damals, als ich noch davon träumte, Mode-Designerin zu werden, einfach wilde
Röcke für meine Barbie-Puppen gehäkelt, und die dann später, als ich aus der
Barbie-Zeit raus war, auch ganz prosaisch einfach nur weggeworfen. Wenn ich das
nur gewusst hätte, vielleicht wäre ich dann heute bekannter...
In die internationale Kunstszene Eingang fand das
hyperbolische Häkeln, nachdem die Mathematikerin Daina Taimina angefangen hatte, zur Verdeutlichung der
räumlichen Verhältnisse des hyperbolischen Raumes gehäkelte Modelle
herzustellen. Sie hat darüber ein Buch veröffentlicht. Daraus entwickelten Christine und Margaret Wertheim, die als Wissenschaftsjournalistinnen um die anschauliche und verständliche Darstellung wissenschaftlicher Inhalte auch für eine nicht-wissenschaftliche Öffentlichkeit bemüht sind, das Projekt. Mit dem hyperbolischen Häkeln wollten sie vor allem die Vermittelbarkeit der Inhalte erhöhen. Das Thema "Korallenriff" wählten sie, weil zu dem Zeitpunkt gerade zahlreich über die Auswirkungen der Klimaerwärmung für die Korallenriffe der Welt und die Umweltverschmutzung auch in den Ozeanen berichtet wurde. Innerhalb weniger Wochen, nachdem sie das Projekt auf ihrer Homepage veröffentlicht hatten, erhielten sie einen Anruf vom Andy Warhol Museum in Pittsburgh, ob sie zu einer geplanten Ausstellung über künstlerische Reaktionen auf das Global Warming einen Beitrag leisten könnten. Und das war nur der Anfang.
Es gibt ein kleines offizielles Buch des Institute for Figuring über das hyperbolische Häkeln. Margaret Wertheim hofft aber, in nächster Zeit einen Verleger für ein umfangreicheres Buch zu finden, das die verschiedenen Komponenten, die hinter der Konzeption des Hyperbolic Crochet Coral Reefs stehen, zusammenbringen soll.
Allerdings hat das Museum der Westküste auch eine
pdf-Anleitung auf der Homepage veröffentlicht, die man sich herunterladen kann: eine Häkelanleitung für Korallen.
Leider war ich zu spät dran, um noch mitzuhäkeln - obwohl
noch eine Häkelsitzung im Veranstaltungskalender angekündigt war, die fand aber
wegen des abgelaufenen offiziellen Einreichungsschlusses nicht mehr statt- und
wir fuhren auch wieder zu früh ab, um die Vernissage mitzubekommen.
Also blieb mir nur, in der mir vergönnten Zeit auf der Insel
auf Spurensuche zu gehen.
Ein Ausflug zum Museum Kunst der Westküste war höchst interessant.
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Museum Kunst der Westküste, Alkersum auf Föhr |
Erstens haben
mir sowohl die Anlage des Museums als auch die Sonder-Ausstellung mit Fotos von
Trine Søndergaard sehr gut gefallen. Sie ist eine der bedeutendsten
zeitgenössischen Fotografen Dänemarks und führt einem mit den Porträts von in
traditionelle Gesichtsmasken gehüllten Faröerinnen die Diskussion um
Verschleierung und Kopftuchdebatte ganz deutlich vor Augen.
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Ausstellungsplakat für Trine Sondergaard an der Außenmauer des Museum Kunst der Westküste |
Und zweitens war es spannend, auf der Fährte des Föhr-Reefs
zu wandeln.
Im gesamten Museumsbereich waren immer wieder einzelne
gehäkelte Korallensegmente verteilt: außen, im Museums-Shop, im Restaurant...
Dort fand sich auch eine Postkarte des internationalen
Projektes, und eine offizielle Postkarte des Föhr-Reef:
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Postkarte des internationalen "Crochet a Coral Reef"-Projektes |
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Postkarte des "Föhr Reef" |
Und dann durfte man (noch) einen Blick von oben auf den
Bereich werfen, in dem die Ausstellung dann ein paar Tage später eröffnet werden
sollte. Selbst wenn dies nur der Ausblick auf einen Ausschnitt der ganzen
Ausstellung war – ein beeindruckender Ausschnitt war es allemal.
Ich war begeistert von der Vielfalt der gehäkelten
Korallenvariationen! Ein Museumsführer, der eine eher gelangweilte und
keinesfalls verständnisvolle Gruppe älterer Besucher durch die gesamte
Ausstellung führte, sprach von „partizipatorsche Kunst“. Kommentar eines
Mitglieds dieser Gruppe: „Also dass die Föhrer dafür Geld haben!“ (Ich habe mich sehr zurückhalten müssen...)
Am Nachmittag vor unserer Abreise war, wie ich noch durch Zufall erfahren habe, im Museum der Pressetermin angesetzt. Da ich ja manchmal als freie Mitarbeiterin unserer Lokalredaktion arbeite, bin ich dann nochmal hin.
Und dann durfte ich ein paar offizielle Fotos machen - die den tatsächlichen Eindruck, den man beim Betrachten dieses Kunstwerkes erhält, allerdings bei weitem nicht widergeben:
Für alle Nordlichter, und für alle, die vor dem 16. September irgendwie in die Nähe kommen: ich glaube, das ist allemal einen Ausflug nach Föhr wert, anschließend geht die Ausstellung zusammen mit mehreren ebenfalls ausgestellten amerikanisch/australischen Häkel-Korallenriff-Segmenten auf Reisen.
Am Nachmittag vor unserer Abreise war, wie ich noch durch Zufall erfahren habe, im Museum der Pressetermin angesetzt. Da ich ja manchmal als freie Mitarbeiterin unserer Lokalredaktion arbeite, bin ich dann nochmal hin.
Und dann durfte ich ein paar offizielle Fotos machen - die den tatsächlichen Eindruck, den man beim Betrachten dieses Kunstwerkes erhält, allerdings bei weitem nicht widergeben:
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Kombination verschiedener Techniken... |
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Hyperbolische Perlenarbeit |
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hyperbolisch verhäkelter Plastikmüll |
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Tote bzw. ausgebleichte Korallen |
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aus Juteschnur gehäkelt: Riesenkoralle |
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