Seit
zweieinhalb Monaten habe ich nun meine neue Nähmaschine, die Bernina 820.
Stimmt nicht – Nähcomputer!
Eigentlich bin ich direkt nachdem ich sie
bekommen hatte zum Unterrichten nach Karlsruhe und zum Stoffe verkaufen nach Einbeck
gefahren. Danach war es eine sehr volle und anstrengende Färbe-Woche, und
anschließend fuhr die Familie für zwei Wochen in Urlaub. Ich habe eigentlich
also erst Mitte Juni angefangen, das neue gute Stück kennenzulernen. Am
liebsten würde ich mich für ein paar Tage mit der Bedienungsanleitung hinsetzen
und eine Funktion nach der anderen ausprobieren, völlig zweckfrei. Aber in der
momentanen Situation geht das nicht, sondern es ist eher eine Arte
„Kennenlernen durch direkte Anwendung“. Also rein ins Abenteuer. Es ist wie Fahrstunden auf einem Porsche, wenn man vorher nur Fahrrad gefahren ist...
Das erste
ganz auf dieser Maschine genähte Top war Linienspiel XXXI.
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Linienspiel XXXI - noch ungequiltet |
Das hat immerhin schon sehr gut funktioniert. Zwar war ich
eine kleine Zeit etwas besorgt, weil ich von der Maschine auf dem Display
dauerhaft dieses Signal gezeigt bekam, das ich mir erstmal nicht erklären und
für das ich aber auch beim Suchen in der Bedienungsanleitung keine Aufklärung
finden konnte.
Auch die
Bernina Hilfs-Seite half erstmal nicht weiter, aber Barbara Lange gab mir dann
den Hinweis, dass es sich wohl um eine noch nicht durchgeführte
Grundeinstellungsänderung handeln müsse und mir die Maschine mitteilen wolle,
dass ich mit dem verwendeten Fuß kein Zickzack nähen könne. Das
leuchtete mir ein, denn ich benutzte gerade den Patchworkfuß mit Obertransport.
Seitdem bereitet mir dieses
Zeichen keinerlei Kopfzerbrechen mehr.
Mittlerweile habe ich auch schon deutlich bessere Ergebnisse
beim automatischen Einfädeln. Die durchschnittliche Zahl der benötigten
Versuche bevor der Erfolg eintritt ist schon deutlich runter gegangen. Häufig
bringt er das Fadenende nicht beim ersten Mal durch die Öse, es kommt auch vor,
dass er den Faden wieder rauszieht. Manchmal klappt es jetzt aber sogar schon
auf Anhieb.
Vergangene Woche habe ich das erste echte Quiltprojekt
durchgezogen. Linienspiel XXVIII
ist der Quilt, mit dem das Drama um die Janome so richtig intensiv wurde. Der
war nun also zu ca. einem Fünftel gequiltet, als ich dann erstmal ohne
funktionierende Maschine dastand. Währen der Wartezeit hatte ich erstmal den
Teil, der von Hand gestickt werden sollte, in Angriff genommen. Jetzt konnte
der verbleibende Teil für die Maschine die Feuertaufe für die Bernina werden.
Und ich muss sagen: ich war freudig überrascht und sehr zufrieden darüber, wie
gut sich das Freihandquilten anließ.
Der BSR-Stichlängenregulator hat
einigermaßen funktioniert, wenn ich auch durchaus noch einige Übestunden ohne
Direktanwendung damit absolvieren möchte. Aber bei einer Größe von ca. 180 auf
180 cm nur drei oder viermal der Faden gerissen, weil ich ihn mit der Nadel so
aufgespleißt hatte, dass es gar nicht anders ging – da kann ich mich nicht
beschweren.
Allerdings ist sie eine wirklich sehr putzintensive Dame. Wenn
ihrer Meinung nach zwei Fädchen Staub „zuviel“ im Spulenbereich sind, kriegt
sie eine Art Hustenkrampf und hält alle 5 bis 20 cm an, blinkt mit dem
Bildchen, für das die Erklärung lautet „Unterfadenüberwachung hat reagiert,
bitte Spule kontrollieren und ggf. neu spulen“ und will nicht weiternähen. Ich
bin also spätestens nach einer Spulenfüllung erstmal heftig am Ausputzen –
soviel Nähmaschine geputzt habe ich glaube ich mein ganzes Leben noch nicht!
Und nach Nr. XXVIII bedurfte es deutlich verstärkter Überzeugungsarbeit
meinerseits, bevor sie mir endlich glaubte, dass sich im Unterfadenbereich
alles in bester Ordnung befindet und sie gerne wieder problemlos weiternähen
könnte... Aber es scheint geklappt zu haben, und mittlerweile ist auch
Linienspiel XXXI fertig gequiltet. Hier hat sich auch bereits gezeigt, wie gut
es war, dass ich für den Tisch – auf dringendes Anraten meines mitdenkenden
Mannes! - die Übergröße mit einer Tiefe von 110cm genommen habe. Zumindest für
diesen Quilt hätte er durchaus noch tiefer sein können!
Ich könnte fast das Gefühl entwickeln, ich sei auf die
Zielgerade eingeschwenkt. Vielleicht schaffe ich es ja doch noch, alle Quilts für Ste.
Marie-aux-Mines fertig zu bekommen, die ich geplant habe?
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