Zu sehen
sein werden auch bereits die Quilts für den nächstjährigen Kalender der Gruppe.
Die Schnipsis drucken jedes Jahr einen Kalender, für den jede einen
Quilt zu einem vorher ausgewählten Thema näht.
Das Thema
für das nächste Jahr ist ‚Licht’. Und wie auch in den vorangegangenen Jahren
hatte ich dieses Jahr leichte Schwierigkeiten, mit dem in der Gruppe bestimmten
Thema warm zu werden. Was mich
eigentlich selbst am meisten gewundert hat, denn Licht ist auf eine gewisse Art
ein Lebensthema von mir, schon mehrfach in meinen Quilts aufgetaucht, und
Lichtkunst ist eine meiner absolut favorisierten Kunstrichtungen.
Dass das Thema des Kalenders des vergangenen Jahres –
Rezepte – einer nicht gerade begeisterten Köchin und ziemlich überzeugten Nicht-Bild-Quilterin
schwerfällt, konnte ich verstehen, und die Herstellungsphase für den
diesjährigen Kalender mit dem Thema ‚Paare’ fiel in die absolute Stress-Zeit
meiner Ausstellungsvorbereitung für das Elsass. Dafür, dass ich mich mit dem
jeweiligen Thema schwergetan hatte, sind sie aber beide dann doch ganz gut
geworden. Sie haben eben einfach eine gewisse Reifungsphase benötigt.
Da die Kalender-Quilts bereits in dieser relativ früh im
Jahr stattfindenden Ausstellung gezeigt werden sollten, musste das diesjährige
Thema schon viel eher im Jahr bearbeitet werden. Und zu meiner eigenen
Überraschung hatte ich mal wieder einen Themenblock. Vielleicht hat meine
schlechte Erfahrung mit ‚Illuminated’ dazu beigetragen, dass mir die Lust auf
Licht in Quilts erstmal vergangen war? (‚Illuminated’ ist inzwischen aus dem Bestand
der Ausstellung „Beyond Comfort“ entfernt worden, heil und ohne
Zollbeanstandung nach Hause zurückgekehrt und wird ebenfalls in Freising zu sehen sein.)
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"Illuminated", 100 x 100 cm |
Aber als ich neulich in einem Café darauf wartete, von
meinem Mann abgeholt zu werden, kam endlich der ersehnte und nötige kreative
Gedankensprung. Ich hatte mir schon vor einer ganzen Weile Reflektorstoff
besorgt, wie er auf Warnwesten und Müllmänner-Anzügen Verwendung findet. Diesen
hatte ich mir schon von Anfang an als wesentliche Komponente des Licht-Quilts
vorgestellt.
Nur wie sollte er zum Einsatz kommen? Als vergrößerte Version
der Ampelfiguren der ehemaligen DDR (männlich und weiblich)?
Sprüht ja nicht gerade vor Originalität...
Nochmal ein Versuch mit einer LED-Schnur, so dass die
Lichter vom Stoff reflektiert würden? Das war mir jetzt gerade zu kompliziert, weil ich nach der
Erfahrung mit "Illuminated" erstmal eine Methode entwickeln muss, wie die
LED-Schnur zwar integraler Teil des Quilts, aber im Zweifel des Notfalls doch
möglichst einfach und unproblematisch austauschbar sein kann.
In den Tagen vor dem erwähnten Café-Besuch und nach ausführlichen Gesprächen mit Barbara Lange war ich immerhin
zu der Überzeugung gekommen, dass es eine Möglichkeit wäre, den Spruch “Wer als
letzter geht, macht das Licht aus” irgendwie gestalterisch umzusetzen.
Überlegungen gingen in verschiedene Richtungen, unter
anderem in folgende: Maschinenstickerei dieses Spruches in den Farben des
Regenbogen? Sähe farblich vermutlich ganz gut aus, aber wieviele Betrachter
würden das mit dem Thema ‚Licht’ assoziieren?
Schließlich hatte ich mich entschieden, die Buchstaben aus
dem Reflektorstoff auszuschneiden und – ja, tatsächlich – zu applizieren.
Zwar
fühlte sich diese Entscheidung ein bisschen an wie der Sündenfall höchstpersönlich. Denn. Ich. Mache. Keine.
Applikation. Nie. Mag. Ich. Nicht.
Vielleicht wurde diese Entscheidung aber durch die vielen Erwähnung von Applikation während meiner England-Tage beeinflusst? Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir schon vorher einen Applikationsfuß für die 820 gekauft hatte. Das muss ja irgendwie einen tieferliegenden Grund gehabt haben, vermutlich wusste der Bauch damals schon, dass es doch ein wenig in diese Richtung gehen könnte?
Vielleicht wurde diese Entscheidung aber durch die vielen Erwähnung von Applikation während meiner England-Tage beeinflusst? Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir schon vorher einen Applikationsfuß für die 820 gekauft hatte. Das muss ja irgendwie einen tieferliegenden Grund gehabt haben, vermutlich wusste der Bauch damals schon, dass es doch ein wenig in diese Richtung gehen könnte?
Jedenfalls wollte ich aber auf jeden Fall auch eine
Lichtquelle mit einbauen. Nur wie wäre das möglich, ohne dass es blöd oder
kitschig wirkt? Ein am Quilt angebrachter Lichtschalter hätte zu sehr zum
Angrabschen herausgefordert, eine Schnur zum Ziehen den Quilt auf heftigste
Weise belastet. Und der Reflektorstoff entwickelt seine besondere Qualität ja
auch in einer Situation der Dunkelheit, wenn er von einer Lichtquelle
angestrahlt wird. Dies zu realisieren war die Herausforderung. Wie könnte ich
den Quilt in einer dunklen Box ausstellen, und den Leuten die Möglichkeit
geben, mit Licht herumzuspielen? Und da half die kreative Denkpause im Café zum entscheidenden Durchbruch.
Bei uns im Keller stehen seit Jahren zwei ungenutzte
Schränke aus dunkelblauem Stoff. Die ich schon mehrfach fast entsorgt hätte,
weil sie ja doch nur rumstehen. Jetzt kommt zumindest für einen von ihnen die
große Stunde. Der Quilt wird darin aufgehängt, draußen wird eine durch Drehen
zum Leuchten zu bringende Taschenlampe hängen (oder, wenn ich davon keine mehr kriege, eine ganz normale), und so können die Betrachter
doch das Gefühl kriegen, das Licht an- und auszuschalten.
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"Wer als Letzter geht...", 40 x 80 cm |
Mal sehen, ob es funktionert. (In der unteren rechten Ecke ist 'aus' noch mit der Maschine aufgestickt. Ich habe nix vergessen!)
Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag um 10, Vernissage ist
dann abends um 18 Uhr. Interessierte sind herzlich eingeladen. Weitere
Öffnungstage sind Freitag, Samstag, Sonntag und das folgende Pfingstwochenende mit einschließlich Pfingstmontag.
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