Seit September spielt mein Sohn Schlagzeug. Manchmal morgens
um halb sechs, oft erst um kurz nach halb sieben, und das Leise-Spielen hat er
bei allen erstaunlichen rhythmischen Fortschritten noch nicht wirklich
gemeistert.
Kurz vor Weihnachten hat der Schlagzeuglehrer eine
„Weihnachtsfeier“ für die ganze Schlagzeugklasse veranstaltet. Neben von den
Kindern mitgebrachten Plätzchen wurde Kinderpunsch serviert, und es wurden zwei
verschiedene DVDs mit Schlagzeug-Events per Beamer an die Wand geworfen. Ob das
nun gerade eine „Weihnachtsfeier“ ist, die in der ohnehin vollgstopften ruhigen
Zeit stattfinden muss, sei hier nicht das Thema.
Weil es die erste Weihnachtsfeier der Schlagzeugklasse war
und wir noch nicht genau wussten, was uns erwartete, haben mein Mann und
gedacht, es wäre gut, wenn einer von uns die ganze Zeit dabei wäre, also haben
wir uns abgewechselt, und so kam ich in den Genuss des größten Teils der ersten
DVD, die ein Schlagzeug-Musical „Stomp“ zeigte.
Ich gebe gerne zu, dass Schlagzeug kein Instrument ist, das
in meiner Vorstellung auftauchte, als ich mir mal geschworen hatte, dass mein
Sohn das Instrument lernen darf, das er sich selbst aussucht, ich habe Schlagzeug nicht einmal
für ein wirklich seriöses Instrument gehalten. Seit er sich nun durch die Welt
trommelt – und damit hat er eigentlich, wenn ich es recht bedenke, schon im
Mutterleib angefangen – hat sich mein Urteil über die Rhythmus-Typen allerdings
deutlich geändert, und ich kann dem Ganzen inzwischen auch einiges an Vergnügen
abgewinnen.
Aber was in diesem Film zu sehen war, war wirkich
beeindruckend. Es fing damit an, dass einige Männer und eine Frau mit
Klettergurten an einem hohen Gerüst aufgehängt waren, an dem außerdem noch
viele verschiedene – nun ja, auch als Schlagzeug zu verwendende Gegenstände
befestigt waren. Das waren Autofelgen verschiedener Größe, leere metallene
Bierfässer, Eimer, Rohre und Röhren unterschiedlicher Machart und in diversen
Durchmessern, Blechdeckel, Plastikbehälter und vieles mehr. Garantiert nichts,
was man sich typischerweise unter „Schlagzeug“ vorstellt. Und darauf wurde
getrommelt, einfach toll. Weiter ging es nach einer Weile in anderer Kulisse
mit einem Schlagballett für Besen – das Geräusch beim Fegen, Abklopfen des
Drecks, Stampfen auf den Boden mit Tap-Dance-Effekt: alles ebenfalls das
reinste Rhythmus-Ereignis. Bevor mein Mann mich ablöste, folgten noch Basketball-Drumming
in einer (regennassen) amerikanischen Stadtschluchtstraße, und das
Kartenspiel-Drummer-Quartett. Alles ohne ein einziges Wort.
Was hat das Ganze hier auf diesem Blog zu suchen? Dass mein
Sohn bevor er das Schlagzeug bekommen hat auf alles und jedem getrommelt hat,
hat mir ja schon vor einer ganzen Weile gezeigt, dass eigentlich alles Trommel
sein kann, hier wurde das nochmal ganz deutlich und in absolut mitreißender
Perfektion gezeigt. Mich hat es an Margit Amann von Gelmbotzkis Satz aus der
Materialliste für den Bauhauskurs erinnert: „Alles was unter die Nähmaschine
passt, kann auch genäht werden.“ Oder an die Denkweise der Stoff-Druckerinnen:
alles was stempeln kann, kann auch zum Bedrucken verwendet werden. Auch ich
habe eine von diesem Gedanken geleitete Sammlung im Keller und warte auf den
Moment, wo ich sie endlich mal ernsthaft einsetzen werde.
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Beidseitig zum Drucken verwendbar?: Plastikinnenteil für Geschenkband |
Alles geht, alles ist Kunst(-fähig). Warum beschränke ich
mich eigentlich immer noch auf Piecing, Stoff, Quilts? Irgendwann kommt mir vielleicht
doch nochmal eine gute Idee, was für Kunst ich aus den Metallbügeln machen
kann, auf denen die Hemden meines Mannes aus der Reinigung kommen, und die
wegzuschmeißen ich einfach nicht übers Herz bringe.
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