Mitte November war ich für vier Tage im Bildungshaus St.
Martin des Klosters Bernried bei einem Kurs von Margit Amann von Glembowski.
Für den hatte ich mich angemeldet, nachdem Margit, als wir bei den
Patchworktagen in Rüdesheim im selben Hotel untergebracht waren, beim Frühstück
so ausgiebig von der Ruhe und angenehmen Arbeitsatmosphäre dort geschwärmt
hatte, die sie bereits vor einem Jahr kennengelernt hatte.
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Blick aus unserem Arbeitsraum in den Klostergarten - allerdings waren diese Sonnenstunden rar. |
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Klosterteich |
Als ich die Materialliste bekommen habe, war ich zwar
erstmal leicht geneigt gewesen, mich spontan wieder abzumelden, weil da so viele Dinge
draufstanden, die ich eigentlich nach langen Phasen des Alles-Sammelns
inzwischen wieder aus meinen Vorratsbeständen entfernt habe, weil ich glaubte,
gemerkt zu haben, dass ich die nicht mehr in meinem Patchworkleben gebrauchen
würde. Aber da ich mich nun so lange auf den Kurs gefreut hatte und einfach
auch gerne mal wieder selbst Schülerin sein wollte, bin ich dann doch gefahren,
auch wenn ich mir nicht sicher war, was ich nun wirklich einpacken sollte.
Eines von Margits Mottos ist „was unter die Nähmaschine
passt, kann auch genäht werden“, und das haben wir dann auch gemerkt. Ich bin
letztendlich auch mit meiner kleinen Sammlung durchgekommen, fürchte aber, dass
ein Teil des bei meinen letzten Räumaktionen erneut gewonnenen Platzes in
Zukunft wieder für solche mehr oder weniger nähbaren Materialien reserviert
werden muss.
Mit dem Bauhaus hatte ich mich auch vorher schon mal
beschäftigt. Einerseits haben wir vor etlichen Jahren mal einen kurzen Halt in
Dessau eingelegt, als wir auf einer Urlaubsfahrt nach Norden waren, und uns
wenigestens das Gebäude des Bauhauses angesehen. Mein Sohn war damals 1 ½ Jahre
alt und als Windelpaket munter auf den Treppen unterwegs. Außerdem haben ihm
die Stühle gefallen, die in den Stockwerken im Treppenhaus zum Sitzen einladen.
Außerdem habe ich natürlich immer wieder voller Bewunderung
die verschiedenen Publikationen über das Bauhaus, und v.a. über die Textilwerkstatt
angeschaut. Allerdings hatte ich, trotz eigenen zurückliegenden Weberfahrungen
und der möglichen Umsetzung einiger der sehr graphischen Entwürfe, nie den
Schritt getan, Bauhausentwürfe ins Patchwork zu übertragen. Es war mir doch
einfach etwas zu simpel, die (Webteppich-)Entwürfe in Streifentechnik zu
übertragen und ‚nachzumachen’.
Deshalb war ich auf diesen Kurs sehr gespannt.
Neben Einheiten über die Geschichte des Bauhauses und die
Entwicklungen innerhalb des Lehrkörpers standen dann einige interessante
Übungen auf dem Kursprogramm. Zuerst ging es um Dreick, Kreis und Quadrat.
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Die Formen durch Quiltmuster herstellen |
In Anlehnung an Kandinskys Zuordnung der Primärfarben zu den
sogenannten Grundformen (Kreis, Dreieck und Quadrat) haben wir dann „Farbkörper“
genäht. Diese sind diffizil zu nähen, innen hohl und dementsprechend
druckempfindlich, haben sich aber zum Abschluss des Kurses in einem „Relief der
Farbkörper“, sozusagen einer temporären Gemeinschaftsarbeit der
Teilnehmerinnen, zusammenstellen lassen.
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"Relief der Farbkörper" |
Die „verschiedensten nähbaren Materialien“, die mir so einen
Schreck eingejagt hatten, brauchten wir dann für eine Umsetzung der Tast- und
Materialübungen von Johannes Itten, die er auch mit den Studenten des Bauhauses
veranstaltet hat: Aufgabe war es, eine textile Collage mit verschiedensten Materialienzu
erstellen, die ein bestimmtes Gegensatzpaar darstellte, das man auf einem
Zettelchen gezogen hatte.
Für mein Gegensatzpaar „starr – bewegt“ habe ich eine
besondere Stricknadel geopfert, die ich dabei hatte. Außerdem kam mir ganz gelegen,
dass wir zur Begrüßung von der Veranstalterin Dörte Bach ein kleines
Organzabeutelchen mit Aufmerksamkeiten bekommen hatten. Das ließ sich dann auch
noch einarbeiten, und Margits Fundus, aus dem wir uns bedienen durften,
steuerte eine längliche Muschel und zwei versteinerte Haifischzähne bei. Alles
auf Keilrahemen gezogen – und wieder hatte ich etwas zum Thema Tanz produziert,
obwohl ich doch von mir selbst behaupte, nicht gegenständlich zu arbeiten:
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starr - beweglich: collage |
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Bauhausstudie |
Einen Tacker
habe ich mir inzwischen zwar besorgt, und die passenden Keilrahmenteile auch,
nun fehlt nur noch die Aktion, den Tacker auch in Betrieb zu nehmen.
Und dann bleibt abzuwarten, wie sich das Bauhaus mit seinen klaren
Formen Zutritt in meine Arbeit außerhalb dieses anregenden, ruhigen und
interessanten Kurses verschaffen wird.![]() |
Park im morgendlichen Nebel |
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