Dieses Jahr habe ich es kein einziges Mal geschafft, über
eine Einreichung in eine der ‚großen’ Ausstellungen zu kommen – Triennale, EQA,
SAQAs Wide Horizons III, Schweinfurth, und jetzt, gerade in der vergangenen
Woche Quilt National. Eine Ablehnung nach der anderen. Trotzdem war es
natürlich wegen der Ausstellung im Elsass insgesamt für mich ein produktives
und erfolgreiches Jahr.
Aber jetzt habe ich den Friedensnobelpreis bekommen!
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(Foto von der Webseite der Financial Times Deutschland) |
Nun ja
– einen winzigen Teil davon, ein ca.-fünfhundertmillionstel, denn ich bin als
Bürgerin ja auch ein Teil dieser Europäischen Union, die den Preis bekommen
hat. Laut Glosse des Bayerischen Rundfunks entfielen damit auf mich
rechnerische €0,0018. Wahrlich nichts, um dadurch reich zu werden, geschweige
denn, dass ich dieses Geld jemals persönlich zu Gesicht bekommen werde. Gerne aber überlasse ich meinen Anteil dem Europäischen Rettungsfond, in der Hoffnung, dass
es klappen wird, die Finanz- und
was-weiß-ich-was-für-eine-Krise-es-überhaupt-ist damit möglichst schnell und
für alle Betroffenen auch möglichst glimpflich zu beenden.
Das erste Mal, dass ich mich öffentlich zu dieser Sache
„Europäische Union“ äußern musste, war während eines einjährigen Aufenthaltes
als teaching assistant an einem
College in den USA (1988/89). Dort veranstalteten die Politologen eine
Podiumsdiskussion über die Europäische Union und holten die anderen teaching assistants und mich als ‚echte
Euroäer’ als Diskutanten mit auf das Podium. Damals hatte ich noch weniger
Ahnung von Wirtschaftsfragen als heute, sah nur den Gedanken der
Friedensschaffung und der internationalen Verständigung und war dementsprechend
eine begeisterte Anhängerin der Idee. Ich erinnere mich deutlich, dass ich
damals in meinem Schluss-statement
sagte „I am excited about it.“ Seitdem ist in Europa viel passiert – zum
Beispiel gleich als erstes der Mauerfall, den zu meinen Lebzeiten zu erleben
ich noch bei der Diskussion damals nicht ernsthaft erwartete... Kaum mehr als
ein halbes Jahr später aber war es schon soweit. Dann rückte die deutsche Wiedervereinigung
erstmal etwas in den Vordergrund.
Die europäische Reisefreiheit finde ich natürlich eine
wunderbare Errungenschaft. Die Einführung des Euro habe ich schon mit ein wenig
Skepsis gesehen – schließlich ist das „ich muss noch Geld wechseln“ und dann im
anderen Land mit Umrechnungskursen hantieren doch irgendwie auch ein schöner
Teil des Reisens. Und den Deutschen ist ja im Vorfeld auch ein gehöriges Maß an
Euro-Skepsis eingeredet worden – würde er so stabil sein wie die gute alte
deutsche Mark? Aber bequemer ist es letztendlich doch, wenn in vielen Ländern
die gleichen Münzen gelten.
Was ich aber nie verstanden habe, ist, warum auf Anordnung
aus Brüssel hin nun in allen Ländern die Schokoladenpackungen gleich groß sein
müssen, oder warum eine Zeitlang nur gerade Salatgurken in den Handel kommen
durften, und solche merkwürdigen Sachen. Denn gerade die lokalen Unterschiede
sind doch auch das Interessante am Reisen. Und dazu gehören meines Erachtens
eben auch unterschiedliche Packungsgrößen.
Was ich auch nicht verstehe, ist, warum spanische Erdbeeren
auch in der Erdbeerenhochsaison in Deutschland billiger sind als deutsche
Erdbeeren, obwohl sie bereits mehrere tausend Kilometer transportiert worden
sind. Überhaupt: warum spanische Erdbeeren in Deutschland? Aber spanische
Orangen esse ich natürlich sehr gerne, und die wachsen in Deutschland ja auch
nicht so gut... (Diese Widersprüchlichkeiten in meiner Einstellung kann ich gut aushalten.)
Über Griechenland und die Euro-Krise, mögliche weitere
Anwärterschaften, die Dominanz des Wirtschaftsdenkens in europäischen Gremien
etc. will ich hier nichts weiter sagen, da ich davon wirklich zuwenig verstehe.
Aber die Friedenswirkung und Ausgleichsleistungen der Europäischen Union, für
die die gesamte Gemeinschaft den Friedensnobelpreis bekommen hat, die will ich
noch einmal erwähnen. Das ist eine Wirkung, deren Bedeutung nicht hoch genug
eingeschätzt werden kann. Sicher ist noch bei weitem nicht alles in der EU
perfekt, viele Dinge harren noch einer Entwicklung, und für viele Bereiche
brauchen wir in vielen Teilen der europäischen Bevölkerungen (aber auch der
Politiker) überhaupt erst noch eine Bewusstwerdung. Zum Beispiel würde ich mir
wünschen, dass die EU insgesamt weniger Waffen exportiert. Und eine wesentlich
ökologischere Politik betreibt – heute heißt das „nachhaltiger“. Aber dass ich
meiner Lebenszeit in diesem Land, in dem ich lebe, noch keinen Krieg direkt
miterleben musste, ist, gemessen am 19. Jahrhundert eine unglaubliche
Entwicklung. Dass Freundschaften grenzüberschreitend und einfach möglich sind,
war nach dem, was in den letzten Jahrhunderten so alles auf deutschem Boden geschehen
ist, nicht unbedingt zu erwarten. Es ist ein Gewinn für alle.
Und jetzt haben wir dafür auch noch den Friedensnobelpreis
bekommen. Wollen wir hoffen, dass wir alle, die wir in der Europäischen Union
leben, uns dieses Preises würdig erweisen. Es wird spannend, wie das
weitergeht.
Und als Co-Repräsentantin für die Region Europa/Mittlerer
Osten für SAQA bin ich ja irgendwie auch dabei. Denn in der Quilt-Welt sprechen
viele Menschen grenzüberschreitend eine einheitliche Sprache. Dies zu fördern
und fortzusetzen ist auch ein ganz kleiner Teil des Auftrages, den der
Friedensnobelpreis beinhaltet. Selbst wenn das Kommittee in Oslo vielleicht
nicht unbedingt daran gedacht haben sollte.
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