Anfang letzter Woche hörte ich auf Bayern 2 in den “Gedanken
zum Tag” die Aussage, dass Erfinder eigentlich nichts erfinden, was es vorher
nicht gegeben hat. Sondern dass sie nur Dinge entdecken, die es vorher gegeben
hat, die die Menschen sich aber erst nutzbar machen mussten. Als Beispiele
nannte der Autor die Elektrizität, Wasser- und Dampfkraft, Kühlschränke und
Röntgenstrahlung.
Ich musste auch gleich an die Kunst denken. Und zwar
besonders an meine Fotos, die ich ‚found art’ nenne, und hier auf dem Blog ja
auch schon öfter als ‚Inspirierende Bilder’ gezeigt habe. Dabei handelt es sich
in der Regel nicht um Gegenstände, die im landläufigen Verständnis als ‚Kunst’
qualifizieren würden. Aber eine andere Sichtweise – meistens einfach eine
Nahaufnahme, noch nicht mal mit Photoshop bearbeitet – reicht schon aus, um
Kunst da zu entdecken oder zu erkennen, wo sie vorher ‚vorhanden’ war, aber
nicht gesehen wurde. Hier sind die letzten fünf Stück meiner ‘found art’.
Diese Fotos von ‘found art’ sind für mich in erster Linie
eine ständige Übung in Augenschulung. Neues sehen, auch wo eigentlich nichts
Neues zu entdecken ist. Gerade im Alltag, wenn ich zum hundertsten Mal
denselben Weg gehe, um zum Beispiel zum Supermarkt zu gelangen, oder mein Kind
irgendwo abzuholen, ist es auch eine Selbst-Herausforderung, etwas ‚zu sehen’,
was man vorher noch nicht gesehen hat. Viel leichter fällt es, wenn man
unterwegs ist, in Gegenden, die man noch nicht kennt, oder wenn man vielleicht
sogar in Urlaubslaune ist. Kunst kann man (fast) überall entdecken.
Von Michelangelo wird ja die Legende erzählt, er habe
gesagt, dass er seine Statuen nicht ‘selbst gemacht’, sondern sie nur aus dem
Stein befreit habe. Hierbei habe der Stein ihm sogar irgendwie geholfen
(heutige Kenner von Mihaly Csikszentmihalyi’s Buch “Flow” hätten dazu bestimmt auch noch was zu sagen...) Angeblich soll
Michelangelo dies gerade über seinen mittlerweile weltberühmten „David“ gesagt
haben.
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Bild aus dem Internet, hier |
Und textile
Kunst? Ist auch sie einfach nur da, und wartet darauf, von jemand in die
richtige Form gebracht zu werden, damit sie sichtbar wird?
Kreativität – erfinden – entdecken – kopieren – befreien? Alles eins? Und wie ist das mit dem
Copyright? Jedenfalls eindeutig eine ‘Erfindung’ der Neuzeit. Aber war es auch schon immer da? Oder gibt es das vielleicht doch nicht wirklich?
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