Während der Vorbereitungen und Färbeaktion für die
Kollektion September 2011, und einer weiter benötigten Eingewöhnungszeit an
einen Schulrhythmus ist die eigene Kreativität etwas zu kurz gekommen. Dazu kam
dann noch dieses gloriose Spätsommerwetter der letzten Tage, das geeignet war,
wenigstens gefühlsmäßig den verregneten Sommer etwas auszugleichen. Aber dafür
musste ich raus, im Garten werkeln. Zum Beispiel musste mein Quittenbaum wegen der reichen bevorstehenden Ernte davor bewahrt werden, dass alle Äste abbrechen.
Nun gut, muss auch mal sein.
Vergangenen Sonntag allerdings habe ich mich dann an ein
Problem gesetzt, das mir schon lange im Kopf rumging und das ich unbedingt
gelöst haben wollte, bevor ich am nächsten Wochenende den Restekurs am
Petersberg unterrichten werde. Als ich noch traditionelle Muster genäht habe,
habe ich mich immer gewundert, warum es denn eigentlich keine „Flying Geese in
Streifentechnik“ gibt. Es kam mir so vor, als ob das möglich sein müsse.
Diese Vermutung basierte auch auf meiner Neigung, oder
besser gesagt: Abneigung, einfach vorgegebene Maßangaben zu übernehmen. Wenn,
dann wollte ich selbst bestimmen können,
wie breit meine Gans-Streifen sein sollen (also vielleicht 4,7 cm...) und nicht
einfach nachschneiden, was mir irgendjemand in einem Buch vorgibt.
Nun war ich in Mathematik nie eine besondere Leuchte, v.a.
auch, weil ich während des Schulunterrichts bei den meisten Sachen den
Realitätsbezug nicht erkennen konnte. Dreisatz, gut, den braucht man, um die
Maschenzahl beim Stricken auszurechnen, Wahrscheinlichkeits-rechnung ist nötig,
um die Gewinnchancen beim Lotto auszurechnen (aber nachdem man das einmal in
der Klausur gemacht hat, weiß man, dass diese Chancen sehr gering sind, und
dann braucht man das nicht noch einmal auszurechnen) und von Pythagoras sind
zumindest auch ein paar Formeln hängengeblieben. Aber dummerweise kannte
Pythagoras ja noch nicht das Problem mit den Nahtzugaben.
Ich habe also ewig rumgerechnet und probiert, weil ich mir
einbildete, es müsse doch möglich sein, sich vorher auszurechnen, wie lang man
ein Stück Streifen abschneiden müsse, um dann darauf mit Quadraten, die man aufnäht
und dann die überstehenden Dreiecke abschneidet, ein schönes Flying Geese
Muster hinzukriegen.
Je länger ich probierte, desto frustrierter wurde ich.
Flying Geese kriegt man mit Streifentechnik schon hin – aber nicht ganz
‚richtig’ von den Maßen her, es sind also eher ‚Falsche Gänse’. Und v.a. gelang es mir nicht, die benötigten Längen der Streifen zu ermitteln.
Dann habe ich mich von der Vorstellung mit den Streifen
verabschiedet und nur noch nach „Rollschneider-fähig/Schnellschneide-Technik“ weitergesucht.
Schließlich bietet sich ja auch die Möglichkeit, das ‚Gans’-Dreieck durch
Vierteln aus einem großen Quadrat zuzuschneiden, und die Himmel-Teile dann aus
diagonal geteilten kleineren Quadraten. Aber wie groß genau müssen die nun
sein?
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Gevierteltes Quadrat für Gans-Basis |
Und gerechnet und probiert und getan und... drohte immer
frustrierter zu werden. Irgendwann hatte ich dann zwar ein Ergebnis, das zu
stimmen schien, aber ich konnte nicht erklären, wie ich denn nun dazu gekommen
war – von welchem Wert war ich nochmal ausgegangen?
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Versuche, meine 'Flying Geese'-Berechnungen nachznähen |
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Diverse Rechnungen, nicht schulkonform... |
Nachdem ich noch einmal darüber geschlafen hatte und dann
ein bißchen „kreativen Abstand“ genommen habe,
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Kreativer Abstand: Ein Tag am See mit vielen schönen Spiegelungen |
habe ich mich ein weiteres Mal
hingesetzt und alles systematisch durchgerechnet.
Und jetzt habe ich es tatsächlich rausgefunden und werde den
Kursteilnehmerinnen sagen können, wie es geht. Man muss nämlich von den
fertigen Maßen ausgehend die Quadrate berechnen und dann erst die Nahtzugaben
hinzufügen, nicht schon von Anfang an mit den Nahtzugaben rechnen. Da hat
Pythagoras eben damals noch nicht dran gedacht.
Nun bin ich gespannt, wie die Kursteilnehmerinnen das
finden. Denn die einfachste Methode ist natürlich doch, die gewünschte Größe
auf ein Blatt Millimeterpapier aufzuzeichnen, die Nahtzugabe drumherum zu
ziehen, dann auszumessen – und dann kriegt man den Wert letztendlich auch raus.
Aber ich weiß jetzt, wie es mit dem Rechnen geht. Wenn ich
irgendwann mal einen Flying-Geese-Quilt mit 4,3-cm-Basis nähen möchte...
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