Während ein Teil der deutschen Quiltwelt auf dem Weg nach Aschaffenburg war, war ich auch in der Richtung unterwegs, fuhr aber noch
weiter. Die Regionalvertreterinnen der Patchworkgilde Deutschland e.V. hatten
genau für dieses Wochenende ihr jährliches Treffen vereinbart, und als
Ehemalige durfte ich ein weiteres Mal dabei sein. Zwar habe ich auf diese Art die
Ausstellung von Mirjam Pet-Jacobs verpasst, die ich wirklich gerne gesehen
hätte, aber da ich die Bahnkarte schon vor längerer Zeit und bevor ich erfuhr,
dass Mirjam in Aschaffenburg ausstellen würde, mit Zugbindung gebucht hatte,
ließ sich das leider nicht mehr ändern.
In Fulda waren wir wieder im Kloster Frauenberg
untergebracht, und am Ankunftstag war das Wetter ungefähr wieder genauso grau
wie vor einem Jahr. Ich glaube, ich muss mal im Sommer nach Fulda fahren, um
mir ein anderes Bild von der Stadt zu machen...
Da ich schon etwas vor den anderen ankam, nutzte ich gleich
die Gelegenheit, ein weiteres Mal bei Leinbergers Knopfparadies
vorbeizuschauen, von dem ich schon letztes Jahr hier geschwärmt habe.
Nachmittags bekam unsere Gruppe eine Führung durch die dem
Kloster angeschlossene Schneiderei, und zwar vom Schneidermeister Bruder
Gerhard persönlich. Hier bekamen wir Möbelschmuckstücke, altgediente Maschinen und bewährte
Instrumente zu sehen, wie z.B. eine Knopflochmaschine, die ein Knopfloch
schneller nähen kann, als ich das Wort auf der Tastatur schreiben, und ein
richtig schwer in der Hand liegendes Bügeleisen ohne Dampf.
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Möbelschmuckstück, aus dem Speicher gerettet. Die Katze gehört in die Werkstatt. |
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Blick in die Schneiderwerkstatt |
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Knopflochmaschine |
Schnittmuster für die Kutten der Franziskaner, immer wieder
verwendete individuell angefertigte Schnitte für regelmäßig wiederkehrende
Kunden, und ein derzeit in Arbeit befindliches Kostüm für eine 91-jährige Dame
kriegten wir auch zu sehen.
Nebenbei bemerkte Bruder Gerhard, dass es ihm immer leid
täte, wenn eine Saison vorbei sei, denn er wisse dann nicht genau, was er mit
den Musterbüchern der Firmen machen solle, die seien doch viel zu schade zum
Wegschmeißen.
Eine aus unserer Runde war dann mutig genug, anzudeuten,
dass wir schon Verwendung für solche Teilchen hätten – und wir bekamen
tatsächlich alle geschenkt. Kein einziges blieb übrig, auch ich habe mein Teil
mitgenommen. (Nach Ste. Marie wird mir dafür auf jeden Fall etwas einfallen!)
Den Rest des Wochenendes verbrachten wir dann arbeitend.
Teilweise mit Einführung in die Quiltsoftware EQ, teilweise mit diversen
Näharbeiten. Bedingung bei diesem Treffen ist ja die Handarbeit, weil der
mündliche Austausch neben dem Arbeiten ein wichtiges Anliegen ist. So hatten
manche der Teilnehmerinnen kleine Einführungen in verschiedene Techniken
vorbereitet. Da mir der Zeitdruck im Nacken sitzt, hatte ich drei verschiedene
Quilts mitgebracht, an denen noch diverse händische Arbeiten auszuführen waren:
ungefähr hunderttausend Fäden habe ich an „Formen 2“ und „Formen 3“ vernäht. Außerdem habe ich in Ergänzung zum bereits zu Hause ausgefährten Maschinenquilten noch mit der Hand gequiltet bzw. gestickt:
Und damit war ich ganz gut beschäftigt. Wenn man sich aber
auch den ganzen Tag auf diese ungeliebten Arbeiten konzentrieren kann, ohne
durch irgendwelche Waschmaschinen oder Kochnotwendigkeiten abgelenkt zu werden,
kriegt man einiges geschafft. Insofern hat es sich dann nicht nur wegen der netten Gesellschaft, sondern auch wegen der erledigten Arbeiten gelohnt, die weite
Fahrt zu machen. Zu Hause wäre es mir vielleicht nicht so gut von der Hand
gegangen.
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