„Top Ten Trends in Art Quilts“ war der Titel des Vortrags
von Martha Sielman (derzeitige Präsidentin von SAQA) beim Festival of Quilts in Birmingham, für den ich
mich bereits im März angemeldet hatte. Damals wusste ich noch nicht, dass ich
zum Zeitpunkt des Vortrags die zweite Regionalvertreterin für die Region
Europe/Middle East sein würde!
Martha hat anhand von Beispielen aus der Ausstellung
„Masters 2“, die in Birmingham zu sehen war, und aus verschiedenen Bänden der
von SAQA veröffentlichten Portfolio-Reihe anschaulich beschrieben, was sie, in
ihrer wiederholt ausgeführten Funktion als Herausgeberin von Büchern über
Quilt-Künstlerinnen, als die derzeit auffälligsten Trends im Bereich der Art
Quilts wahrnimmt.
Nach dem Vortrag bin ich wirklich mit etwas anderer
Wahrnehmung weiter durch die Ausstellungen in Birmingham gegangen, und sogar
bei der Gruppe der Miniquilts sind mir ein paar der Trends aufgefallen.
Die Trends, die Martha Sielman beschrieben hat, sind die
folgenden:
1. Die deutlich häufigere Verwendung der Longarm Quilting
Maschine, und sie erwartete dadurch eine zunehmende Häufigkeit von
Kollaborationen, bei denen die eine das Top näht und die andere das Quilten
übernimmt.
2. Die deutlich Zunahme von Hand-Arbeit wie Sticken oder
besondere Stich-Arten, die sich vom üblichen Quilten unterscheiden. Als
Beispiel kann dazu Dorothy Caldwells „Meeting Place“ dienen:
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Dorothy Caldwell, "Meeting Place", Detail |
3. Sehr dichtes Maschinen-, das als dekoratives und
strukturierendes Element eingesetzt wird, manchmal auch als „Stich-Malerei“
bezeichnet. Als Beispiel nannte Martha hier „Friesischer Himmel“ von Dirkje van
der Horst-Beetsma:
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Dirkje van der Horst-Beetsma, "Frisian Sky" |
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Detail von "Frisian Sky" |
4. Verwendung von durchsichtigen Stoffen, die bei Überlappen
Farbveränderungen und –mischungen hervorrufen. Die Ausstellung „Masters 2“
enthielt hierfür ein wunderbares Beispiel von Risë
Nagin, die Installation „codex: mandala + cross“, in der der Schattenwurf der
einzelnen, mit Abstand von der Wand befestigten Teile eine wesentliche
Komponente der Wirkung darstellte:
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Risë Nagin, „codex: mandala + cross“ |
5. Recycling und Wieder- bzw. Weiterverwertung von alten
Kleidungsstücken.
6. Verwendung von ungewöhnlichen Materialien wie z.B.
Käseleinen, Tüll, Plastiktüten, Deko-Stoffen, etc.
7. Zunahme der Verwendung von Foto-Transfer.
8. Verzierungen wie Perlen, Stickereien, Verwendung von „Embellisher“-Maschinen.
9. Manipulation von Stoff direkt auf der Oberfläche des
Quilts.
10. Verstärkte Bemühungen um Erzielen eines
dreidimensionalen Effekts.
Wenn ich mir diese „Trends“ so anschaue, sind mir zwei weitere
aufgefallen, die hier nicht erwähnt werden – aber ob die jetzt unter die ersten
zehn gehören oder eben „nur“ auf Platz 11 und 12 kommen, ist letztendlich egal.
Deutlich zugenommen hat meiner Meinung nach der Hang zum Glitzer – sei es durch
Metallic-Garne, Goldfarbe oder ähnliches. Und außerdem wird immer mehr geklebt.
Und dann folgt als nächster Schritt natürlich die kritische
Betrachtung der eigenen Arbeitsweise. Longarm-Quilten käme für mich schon in
Frage, wenn ich eine hätte, allerdings nicht in Form von „Quilten-Lassen durch
andere“. Die Zunahme von Hand-Arbeit auf meinen eigenen Quilts ist eindeutig,
die Kombination von Maschinenquilten mit Stickerei o.ä. finde ich auch für
meine eigene Arbeit reizvoll. Das ganz dichte Maschinen-Sticken ist nichts, was
ich mir für meine Arbeit vorstellen könnte, wenn ich auch die Arbeiten von z.B.
Dirkje van der Horst-Beetsma wirklich bewundere. Durchsichtige Stoffe habe ich
z.Zt. überhaupt keine in meinen Vorräten und kann sie deshalb auch nicht
einsetzen. Recycling ist ja das ganz ursprüngliche Patchwork. Deshalb kommt es
für mich eigentlich immer in Betracht, wenn ich es auch in letzter Zeit weniger
angewendet habe, weil es für die Serien, an denen ich jetzt gearbeitet habe,
nicht gepasst hat. Die Verwendung von ungewöhnlichen Materialien wird sicher in
meiner Arbeit noch mehr eine Rolle spielen. Mit einem Plastikzaun habe ich ja
schon mal angefangen. Foto-Transfer reizt mich gar nicht, auch eine
Embellisher-Maschine werde ich mir sicher nicht zulegen. Das Manipulieren von
Stoff auf der eigentlichen Quiltoberfläche und das Erreichen einer zusätzlichen
Dreidimensionalität hingegen finde ich äußerst interessant und bin selbst
gespannt, wie sich das noch bei mir zeigen wird.
Dieser Vortrag hat sich also nicht nur als eine kleine
Inventur der Trends in der Quiltwelt entpuppt, sondern mir selbst auch einiges
zum Nachdenken gegeben darüber, wie sich wohl meine eigene Arbeit weiterentwickeln wird.
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