Da ich während der Tage in Ste. Marie-aux-Mines weitgehend
mit der Aufsicht meiner eigenen Ausstellung beschäftigt war – ich wollte ja
auch gerne dort sein, um die Reaktionen der Leute mitzubekommen und die daraus
rresultierenden Gespräche nicht zu verpassen – bin ich selbst nicht besonders
weit rumgekommen, um andere Ausstellungen zu sehen.
Aber ich hatte am Samstag die Gelegenheit, in die Eglise de
la Madeleine zu gehen, wo normalerweise die eingeladenen Gastländer ihre
Ausstellungen zueigen. Vor zwei Jahren war ich selbst dort mit zwei Quilts bei
der Patchworkgilde Deutschland e.V. vertreten. Dieses Mal war Kanada das Gastland.
Thema der von Sandra Reford (Blog, Homepage) kuratierten Ausstellung war “Tradition im Wandel”. Damit sollte die weite
Spanne des kanadischen Quiltschaffens zwischen traditionellen Arbeiten in ihrer
jeweiligen lokalen Eingebundenheit und den modernen Künstlerinnen – alles
zwischen Prince Edward Island im Osten und Vancouver Island im Westen - demonstriert
werden, und das ist meines Erachtens auch hervorragend gelungen. Leider waren gerade in dieser Kirche die
Beleuchtungsverhältnisse andere als glücklich, so dass
man manche Werke wirklich nur in eingeschränkten Positionen betrachten konnte, und auch
qualitätsvolle Fotos waren nicht wirklich möglich.
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Sandra Reford beim Erklären der Ausstellung |
In der Ausstellung traf ich eine ‘alte’ Bekannte, Jayne Willoughby Scott in Form ihres wunderbar meditativen “Night
Drawing Nr. 3”. (Ich wünsche mir, mal eine Ausstellung mit 25 ihrer Night Drawings zu sehn!)
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Jayne Willoughby Scott, "Night Drawing no 3" |
Judith Martins Arbeit “Energy Cloth” ist dicht mit
verschiedenen Arten von Stickstichen bedeckt, die dem Ganzen eine zusätzliche
Textur verleihen und vor allem auch die Farbgebung des zugrundeliegenden
Batikstoffes verändern.
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Judith Martin "Energy Cloth" |
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Judith Martin, "Energy Cloth", Detail |
Auf der Grenzlinie zwischen traditionell und modern bewegt sich
Kate Busbys Werk “3600
(Beats)” (auf dem Bild auf der linken Seite abgebildet). Daneben sieht man “Aglow” von Anna Hergert.
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Kate Busby (links), "3600 (Beats)", und Anna Hergert (rechts), "Aglow" |
Stärker noch der traditionellen Seite des Quiltschaffens
verbunden, aber doch mit einem interessanten und ungewöhnlichen Twist ist “Nine
Patch Minuet” von Penelope Player. Laut Sandra Reford ist Penelope die dritte Generation in einer Familie von Quiltern, hat aber keine eigene Webseite. Die Verwendung des Nine-Patch-Musters zeigt sehr
anschaulich, dass auch traditionelle Muster in einer modernen Art interpretiert
werden können, die ihnen eine besondere Aktualität verleiht. Traditionell muss
bei weitem nicht altmodisch daherkommen!
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Penelope Player, "Nine Patch Minuet" |
Die zwei Stücke, die mir in der Ausstellung am allerbesten
gefallen haben, waren allerdings keine Quilts in strengerem Sinn, sondern
fallen eigentlich unter eine weitergreifende Kategorie “Textilkunst”. Eins
davon ist Chung-Im Kims dreidimensionale Filzskulptur “Dawn” (Morgenröte), die unbedingt von mehreren
verschiedenen Seiten betrachtet werden muss, um sich der ganzen Schönheit und
Ausdehnung bewusst zu werden.
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Chung-Im Kim, "Dawn", Seitenansicht |
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Chung-Im Kim, "Dawn", Frontalansicht |
Das andere Stück ist “Accumulate” von Amanda McCavour. Ausgerechnet diese
Arbeit litt allerdings ganz besonders unter den schwierigen
Beleuchtungsverhältnissen in der Kirche. Keine direkte Lichtquelle, unter der
Empore, und eigentlich hätte die Arbeit direkt von der Dekce gehänt werden
müssen statt vor einer Wand. Schade
– die Wirkung wurde so deutlich geschmälert, nur ahnungsweise konnte man daran
teilhaben.
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Amanda McGavour, "Accumulate", Detail |
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Amanda McCavour, "Accumulate" |
Insgesamt eine meiner Meinung nach wunderbar kuratierte und gelungene Ausstellung, die meinem Geschmack genau entsprochen hat. Sie hätte auch der von
der deutschen Patchworkgilde veranstalteten „Tradition bis Moderne“ alle Ehre
gemacht, dem Titel wurde sie jedenfalls vollkommen gerecht. Nur zu schade, dass
es keinen Katalog gab, und dass sie nicht an weiteren Orten gezeigt wird!
Internet-Blog Judith Martin:http://judys-journal.blogspot.de/
AntwortenLöschenGruß, Regine