Der gesamte
Samstagvormittag war der Jahresversammlung der Quilter’s Guild of the British Isles vorbehalten. Die Verkaufsstände
waren geschlossen, keine Kurse fanden statt, und das Auditorium war gut
gefüllt. Ich schätze, dass von den 420 Teilnehmerinnen am Wochenende sicher
auch der allergrößte Teil bei dieser Versammlung anwesend war. Ein ganz anderes
Verhältnis als die ca. einhundert, die bei den Versammlungen der deutschen
Gilde auftauchen. Woran das wohl liegen mag? Einerseits vielleicht an der
Unterbringung – wenn alle Teilnehmerinnen in während der Semesterferien
leerstehenden Wohnheimen auf einem Uni-Campus eher am Rande der Stadt
untergebracht sind, bietet sich gar nicht viel Abwechslung.
(Das hat zwar auch
Auswirkungen auf die Qualität des Essens, das alle gemeinsam in der Mensa
eingenommen haben, aber das ist eine andere Geschichte.
![]() |
Mensa-Feeling, nicht nur beim Ausfall des Spülsystems...) |
Andererseits war der Ablauf der Versammlung weniger
formalisiert als das deutsche Vereinsrecht erlauben würde, und irgendwie hat es
Spaß gemacht, dazusitzen und den Berichten und Tagesordnungspunkten zuzuhören. Auch
wenn diese nicht immer spaßig waren, wie z.B. die Situation, die das Quilt
Museum in York betrifft. Dazu werde ich noch mehr schreiben, wenn ich
tatsächlich ab Mittwoch in York sein und das Museum besuchen werde.
Nachmittags habe ich den Vortrag von Gillian Clarke, einer
ehemaligen Historikerian gehört, die die Illustrationen aus mittelalterlichen
Büchern – und andere mittelalterliche Vorlagen wie geschnitzte Figuren aus
Chorgestühl – als Designgrundlage für ihre Quilts verwendet. So hat sie z.B.
einen Jahres-Quilt über die in den jeweiligen Monaten anfallenden Arbeiten
gemacht, “Die Arbeit eines Monats”:
![]() |
Gillian Clarke, "Labors of the month", Detail |
Auf den Kommentar einer Freundin hin, “Gillian, das sind ja
nur Männer!”, hat sie dann auch noch einen mit den „Arbeiten einer Frau“
gemacht.
![]() |
Gillian Clarke, "A Woman's Work", Detail |
Geschnitzte Drachenfiguren waren neben Knotenvorlagen eine
Musterinspiration für einen Wholecloth-Quilt, ganz in weiß, mit roter Rückseite
und rotem Quiltfaden. Allerdings ist diesem Quilt ein Unglück widerfahren, als
er bei einer Ausstellung unter einem Leck im Dach hing.
![]() |
Gillian Clarke - Wholecloth in white and red, Detail |
Die Stoffe waren
gewaschen, aber der Quiltfaden war offensichtlich nicht farbecht. Gillian hat
allerdings nichts unternommen, aus Angst, es könnte nur noch schlimmer werden.
Stattdessen meint sie, das wäre jetzt eben Teil dieses Quilts. “Es ist doch
eine gute Geschichte,” meinte sie.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen