Die britische Gilde hat über Jahre durch Geld- und
Materialsammlungen darauf hingearbeitet, ein Museum zu gründen, das
ausschließlich dem Thema Quilts gewidmet ist.
Wenn man nach York kommt, kann man schon im Informationsprospekt der
Stadt eine Anzeige finden, und mein Landlord im B&B konnte mir auch gleich
den Fußweg beschreiben. (Mit Hilfe von Google Maps hatte ich beim Buchen extra
darauf geachtet, dass das Museum zu Fuß erreichbar wäre. Es gibt allerdings
auch noch ein paar andere Möglichkeiten in derselben Straße zwischen dem
B&B, in dem ich war, und dem Museum.)
Die Sammlung zahlreicher antiker und zeitgenössischer Quilts
ist in St. Anthony’s Hall in York untergebracht.
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Blick in den großen Saal des Museums, das Bild stamm von der Homepage der britischen Gilde |
Die Ausstellungen werden regelmäßig gewechselt, wegen der
Fragilität der Textilien ist eine Dauerpräsentation der Quilts nicht möglich.
Da an den Tagen zwischen den Ausstellungen kein Besuch des Museums möglich ist,
sollte man sich vorher auf jeden Fall erkundigen, ob an einem geplanten
Besuchstag auch wirklich geöffnet ist! Die Webseite mit der Übersicht über dieAusstellungen listet alle Informationen.
Während ich da war, konnte ich drei unterschiedliche Ausstellungen
sehen. Im großen Saal war „Town and Country“ zu sehen, eine Auswahl der antiken
Quilts, die eine Gegenüberstellung der Quiltstile in unterschiedlichen sozialen
Verhältnissen ermöglichte. Quilts aus bürgerlichen oder gar herrschaftlichen
Häusern wurden oft aus luxuriösen Stoffen gefertigt und weisen teilweise extrem
komplizierte Muster auf, Zeichen dafür, dass die nähenden Frauen viel Zeit
hatten. Außerdem dienten sie oft dazu, den Wohlstand der Familie anzuzeigen.
Quilts aus ärmeren Verhältnissen hatten eine ganz andere
Funktion, nämlich die rein praktische Funktion der warmen Decke, die in nur
durch kleine Feuerstellen oder Öfen geheizten Häusern eine ganz andere
Bedeutiung hatte, als wir uns das heutzutage noch vorstellen können.
Im Nebenraum war „Signatures V“ zu sehen, eine Ausstellung
der Gruppe zero3 textile artists, die seit einigen Jahren zusammen ausstellt. Und im
kleinsten Raum schließlich gab es eine Auswahl aus Quilts aus den
1990er-Jahren, die sich in der Sammlung der Britischen Gilde finden.
Liz Whitehouse, die Geschäftsführerin der Britischen Gilde
berichtete, dass es immer wieder vorkommt, dass Leute in das Museum kommen, und
enttäuscht sind, „Oh, but this is so small!“ Ehrlich gesagt, kann ich das nicht
verstehen. Die Räumlichkeiten sind beeindruckend, die Dokumentation ist
ausführlich und zeigt, dass die Kuratorin, intensive Forschung
betreibt, um den geschichtlichen Hintergrund der einzelnen Stücke aufzudecken,
und wenn man dann die Anzahl der ausgestellten Quilts durchzählt, sind es gar
nicht so wenige. Es kann natürlich gut sein, dass manche Besucher mit
Erwartungen kommen, die vom Festival of Quilts geprägt sind in Bezug auf die
Anzahl der ausgestellten Stücke, und das kann dieses Museum natürlich nicht
leisten.
Schon während der Jahreshauptversammlung in Nottingham war
ausführlich darüber berichtet worden, dass das Museum finanzielle Hilfe
braucht, weil die Besucherzahlen aufgrund der wirtschaftlichen Rezession
in Großbritannien im vergangenen Jahr deutlich
geringer ausgefallen waren, als für den Erhalt des Museum notwendig ist. Eine mögliche
Form der Unterstützung wäre, Mitglied der britischen Gilde zu werden, weil die Mitgliedsbeiträge eines der wichtigsten Fundamente
der Arbeit der britischen Gilde sind, die Trägerin des Museum ist. Mitgliedschaft in der Gilde bringt einem auch die vierteljährliche
Mitgliederzeitschrift, die über die Aktivitäten der britischen Gilde
informiert, ermäßigten Eintritt in das Museum und einen 10%Rabatt beim Einkauf
im Shop des Museums (und das gilt auch für Online Einkäufe.) Außerdem ist es möglich, über die Webseite der Britischen Gilde ein Förderer des Museums (Friends of the Museum) zu werden.
Zur Zeit läuft aber auch ein besonderer Spendenaufruf zur Einrichtung
einer Stiftung, worüber man sich hier informieren kann. Wenn man nach York kommt, sollte man auf jeden Fall hingehen! Und jede noch so kleine Spende ist natürlich ebenfalls
willkommen. Da ich zur Zeit leider keine Dauer-Unterstützerin werden kann, habe
ich ein Zehntel des Geldes, das ich durch meine Kurse in England verdient habe,
für das Museum gespendet. Ich hoffe sehr, dass es der Quiltwelt weiter erhalten
bleibt!
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